RPG-Blog-o-Quest Nr. 61: Zwischenbilanz Coronakrise

von ackerknecht

Kaum ist man aus dem Sommerurlaub zurück, geht es auch schon Schlag auf Schlag: Der Discounter ums Eck wirbt mit Friesennerz und Softshelljacke, in der Auslage liegen pünktlich zum September Lebkuchen und Dominosteine. Man kann sich nicht dagegen wehren, der Herbst steht unmittelbar bevor. Diesen Blogeintrag habe ich vor genau einem Jahr angefangen, jetzt will ich ihn zu Ende bringen – melancholischer als im ersten Aufschlag. Zwischenzeitlich habe ich diesen Beitrag zu einer RPG-Blog-o-Quest ausgebaut. Wer also keine Texte vom traurigen Ackerknecht lesen will, der möge gleich zur Befragung hinunterscrollen. Ansonsten: Los geht’s.

Neben dem Rollenspiel ist mein liebstes Hobby das Bogenschießen. Ich habe glücklicherweise einen Verein gefunden, der eine mir sympathische Haltung zum Thema Sport, Wettbewerb, Freizeit und Hobby hat. Mein Bogensportjahr ist folgendermaßen gegliedert: Es beginnt im Oktober mit dem Beginn der Hallensaison. Neben regelmäßigem Training arbeite ich mich auch an der sportlichen Kaskade von Vereins-, Kreis-, Landes- und Deutschen Meisterschaften ab (auch wenn für mich mit der Landesmeisterschaft Schluss ist). Die Deutsche Meisterschaft in der Halle ist normalerweise kurz vor Ostern. Nach den Ferien beginnt dann die sportliche Außensaison, die ebenfalls mit der DM endet, in der Regel kurz vor den Sommerferien. Von Ende der Sommerferien bis Ende Oktober ist dann die beste Zeit des Bogenjahres: Die 3D-Saison. Alle Vereinskamerad*innen stellen für ein Quartal ihre Sportbögen in den Schrank, nehmen ihre Reiter-, Jagd- oder Langbögen zur Hand, schnüren die Wanderstiefel und ziehen über die zahlreichen 3D-Turniere Deutschlands. Dort wandert man in kleinen Grüppchen durch den Wald und zielt auf Wildtieren nachempfundene Schaumscheiben. Die ersten Turniere finden noch in der ausgehenden Sommerhitze des späten Augustes statt, bei den letzten Veranstaltungen steht man morgens mit dem Kaffeebecher in den behandschuhten Händen an einer Feuertonne auf einem raureifüberzogenen Schützengelände. Als alter Fantasyfan wollte ich am Anfang meiner Bogenschützenlaufbahn nichts Anderes machen (und es gibt auch genug traditionelle Bogenschütz*innen, die das ganze Jahr über nur 3D schießen), aber es ist dann doch wie ein Jahr nur Kuchen futtern. Lieber trainiere ich neun Monate amtlich mit dem Sportbogen und freue mich auf die drei Monate Langbogen im Herbst.

Normalerweise nutze ich diese Zeit, um mein nächstes Hobbyjahr zu planen. Bei den 3D-Turnieren meldet man sich eh am besten direkt vor Ort für die Veranstaltung im nächsten Jahr an – die Turniere sind schnell ausgebucht. Auch steht normalerweise der sportliche Terminplan für das kommende Jahr dann fest. Dann kann ich auch mein persönliches Rollenspieljahr planen. Ich bin nämlich, wie viele andere Rollenspieler*innen um die 40 auch, ein „Gestrandeter“. Nach Umzügen zu Zivildienst, Studium, erstem richtigen Job, zweiten richtigen Job,… habe ich es nicht mehr geschafft, eine neue feste Rollenspielgruppe zu finden. Schlimmer noch, nach meinem letzten Jobwechsel habe ich wieder Anschluss an ein großstädtisches Milieu gefunden – und festgestellt, dass ich weder die Energie noch die Zeit habe, eine weitere Gruppe aufzubauen. Daher würde ich jetzt normalerweise meine alten Gruppen aus Schul- und Uni-Zeiten kontaktieren, Messe- und Conbesuche planen, die regionalen Mittelaltermärkte in den Kalender eintragen, und so weiter.

Viermal steht das Wort „normalerweise“ bis Ende des letzten Absatzes in diesem Text. Denn dieses Jahr ist ja das Jahr, in dem nix normal ist. Da immer noch alles quer läuft (und laufen muss, da die Krise noch lange nicht überstanden ist!), will ich eine Corona-Zwischenbilanz ziehen. Und dies tue ich in Form der RPG-Blog-o-Quest. Ihr seid alle gerne eingeladen, die folgenden fünf Fragen in Eure Blogs zu kopieren, dort zu beantworten und die entsprechenden Artikel hier in den Kommentaren oder im Sammelthread des RSP-Blogs-Forums zu verlinken.

1) In der Summe bisher, war der Einfluss von Corona in Bezug auf Euer Hobby Rollenspiel negativ, irrelevant oder sogar positiv?

2) Was war denn die gravierendste Auswirkung der Situation aufs Hobby?

3) Glaubt Ihr, dass das Hobby wird irgendwann wieder „normal“ werden wird? Mit dichtem Gedränge an der Con-Rundenliste und nächtelangem Zocken mit Personen aus fünf verschiedenen Haushalten in einem schlecht belüfteten Keller? 

4) Habt Ihr ein geiles Hobby-Projekt für „die Zeit danach“ in Arbeit? Ein nie dagewesenes Roll20-Skript? Eine neu bemalte WH40K-Armee? Ein episches LARP Kostüm?

5) Habt Ihr die Situation schon einmal im Spiel aufgenommen? Habt Ihr den lang geplanten Seuchenplot endlich ausgespielt? Oder habt Ihr den lang geplanten Seuchenplot endgültig zu den Akten gelegt? Versteht Ihr jetzt besser, was VITAS für die Welt von Shadowrun bedeutet?

Hier meine Antworten:

1) Bis jetzt überwiegt doch tatsächlich das positive. Ich fühle mich fas ein wenig schlecht, aber Krise hat mir geholfen, meine guten Rollenspiel-Vorsätze von Anfang des Jahres umzusetzen. Vor allem die „Reaktivierung“ alter Schulfreunde hat zwei mal geklappt.

2) Die ökonomische Krise. Veranstaltungen, wobei da das Ende noch nicht absehbar ist. Ich hoffe, dass nicht zu viele Con-Veranstalter, Marktstände und Brick-and-Mortar-Stores an der Krise scheitern.

3) Nein. Im Moment finde ich Gedanke an Händeschütteln und Umarmungen irreal und absurd.

4) Als alter Magicveteran will ich unbedingt das WTSC 2018/19-Siegeranenteuer „Der Aedifex“ für DnD5 leiten. Mit vielen Magickarten als Props. Da eine real-life Runde aber noch in weiter Ferne liegt, arbeite ich hart an der Konvertierung als Roll20 Modul.

5) Nein. Aber man merkt mir meine Irritation an, wenn sich jemand in einem Film abklatscht…

Das soweit von mir, ich freue mich auf eure Antworten und wünsche euch Gesundheit und alles Gute,

Gruß

A.