2010 – Rise of the Metaressource

von ackerknecht

In letzter Zeit habe über alt- und neumodische Rollenspiele nachgedacht. Was zeichnet ein modernes Rollenspiel aus? Ich denke, der maßgebliche Trend des letzten Jahrzehnts ist die Metaressource.

Neulich habe ich die sechste Edition der Shadowrun Regeln erstanden. Vielen Dank an Pegasus und die anderen Verlage, dass sie viele PDFs ihrer Spiele im Moment so günstig anbieten! Shadowrun 6 bestätigt den Trend zur Metaressource sehr eindrucksvoll. Aber der Reihe nach.

Pokerchips, Counter, XP Karten, Gummipunkte – es geht um Metaressourcen.

Unter Metaressource verstehe ich die Mechaniken wie die Edge in Shadowrun. Darunter fallen für mich Punkte, mit denen die SpielerInnen Würfelergebnisse noch einmal umbiegen können, aber auch die Spielwelt beeinflussen können. Ich nenne es „Metaressource“, da es eine Ressource für die SpielerInnen ist, die nicht an die Figuren gebunden ist.

SchiPs, Bennys, Splitterpunkte – kein großes System kommt heute noch ohne einen solchen Mechanismus aus:

  • Ich weiß nichts über Deathlands, aber Savage Worlds hat mit den Bennys die Poker Chips im Rollenspiel groß gemacht.
  • Ohne große Erfahrungen mit dem System zu haben, sind die FATE Punkte wohl ein Schlüsselelement des gleichnamigen Spiels.
  • Die Splitterpunkte sind essenziell für Splittermond.
  • Mit DSA5 hat sich auch das schwarze Auge diesem Trend angeschlossen. Dies hatte ich in einem meiner ersten Einträge hier zum Thema.
  • Numenera hat einen neuen Ansatz für Erfahrungspunkte gefunden. Man kann sie entweder aufsparen für die Entwicklung der Spielfigur, oder als Metaressource nutzen.
  • Sogar DnD hat in der fünften Edition einen entsprechenden Ansatz mit der „Inspiration“.
  • Als letztes auf meiner Liste steht Shadowrun, das schon immer einen Karma- oder Edge-Pool hatte. Mit der 6. Edition ist Edge nun das prägende Spielelement: Ausgeben und Rückgewinnung von Edge sind der zentrale Mechanismus.

Meine Erfahrungen mit den Metaressourcen. Eigentlich bin ich ein großer Fan. Eine meine ersten selbstentwickelten Regeln waren z. B. Schicksalspunkte für Dungeon Slayers. Am deutlichsten sehe ich den Einfluss der Metaressourcen in meiner Splittermondgruppe, die immer stärker in Richtung ARS geht. Hauptsächlich liegt das aber an den Risikowürfen. Meine Spieler haben den Risikowurf als Mittel der Wahl entdeckt, immer mit dem Hintergedanken, dass die SL die Figuren schon nicht wegen eines verpatzten Wurfes umbringen wird. Tja, falsch gedacht. Wer sich in Gefahr begibt, usw. In dieser Situation sind die Splitterpunkte als Lebensretter gern genommen.

Ganz anders meine alte DSA-Gruppe. Die SpielerInnen mögen die SchiPs überhaupt nicht, da sie nur zu unnötig riskanten Aktionen verleiten. (Also genau wie in der Splittermondgruppe, nur eben andersherum…) Vor allem stören sich die DSAler aber an der schlechteren Immersion. Sie wollen Figuren in einer Welt, weniger Figuren in einer Geschichte sein.

Midgard ist ein weiteres Rollenspiel, das ich mir als PDF in der Coronakrise besorgen konnte. (Danke, lieber Verlag! Danke, Branwens Basar!) Beim Anlesen habe ich mich schon sehr über den klassischen Rollenspiel Ansatz gefreut. Genauso ging es mir bei der Lektüre des DCC RPGs. Vielleicht sollte ich mal wieder ohne diese Art Ressourcen arbeiten.

Bis bald und beste Grüße

A.