One Shots.

von ackerknecht

Der Eskapodcast hat über “One Shots” gesprochen. Bei der ersten Frage, “Wie wichtig sind euch One Shots?”, hatte ich kurz Angst. Ich dachte für einen Moment, jetzt kommt: “Das ist ist doch gar kein richtiges Rollenspiel mehr! Höchstens ein Notnagel!” Es kam doch anders, fast schon zu einseitig. Lediglich ein Podcaster hat sich nicht dem umfassenden “Ja wir sind doch alle alt, wir haben doch keine Zeit mehr!” angeschlossen. Mir geht es wie der Eskapodcaster-Majorität: One Shots, sowohl privat wie auch auf Conventions, sind im Moment “mein” Rollenspiel. Daher häng ich mich an die letzte Podcastfolge ran und schreibe meine Kommentare zum Thema nieder.

Mein Lieblings-One Shot. Neben Cthuhlu-Oneshots empfehlen die Eskapodcaster auch OSR-Dungeoncrawls für One-Shots. Meine drei Favoriten stammen aus diesem Segment:

 

Diese drei One Shots leite ich immer gerne wieder. Mein Lieblings-One Shot als Spieler war ein vom SL selbstgeschriebenes Abenteuer für sein eigenes Homebrew-System. In diesem Abenteuer spielte man eine Patrouille der Stadtwache einer Fantasy-Stadt. Das Tolle an diesem Abenteuer war, dass das Spielgefühl dieser Stadt je nach Vorliebe der Gruppe irgendwo zwischen Altdorf und Ankh-Morpork angesiedelt war.

 

Der schlimmste One Shot meines Lebens. Auch bei mir fand das auf einer Convention statt. Zu Splittermond waren gerade Welt- und Regelband erschienen. Beide hatte ich gründlich durchgearbeitet und daher freute ich mich auf eine Splittermond-Demorunde mit einem Uhrwerk-Supporter. Das Abenteuer begann mit einem Schiffbruch auf der Insel Galonea, auf welcher wiederum die Stadt Ioria liegt. Die SC landeten in einem Küstendorf, das von klischeehaften Ostfriesenwitz-Fischköppen bewohnt war. Für Splittermond-Nichtspieler: Ioria ist als Sitz des Orakels von Ioria und eines Mondtores das Zentrum der zivilisierten Welt. Vom Hintergrund ist es stark von den altgriechischen Polis-Stadtstaaten inspiriert. Die ständig Fischschnaps trinkenden Döspaddel wurden nun von einer Piratencrew terrorisiert. Für deren Kapitän hat sich der Spielleiter von einem Artwork inspirieren lassen: Einem cartoonhaften Pathfinder-Piraten-Goblin. Info für Splittermond-Nichtspieler: Goblins sind genau das eine EDO-Trope, auf das in Splittermond verzichtet wurde.

Aber der Spielleiter hatte nicht nur keine Ahnung vom System, er hat auch ansonsten schlecht geleitet: Die Gruppe hat einen Hinweis zur Lösung des Plots überhört und tappte ziemlich im Dunkeln. Der SL hat sich im Wesentlichen darüber amüsiert, dass die Spieler auf diese ganz einfache Lösung nicht kommen. Über eine Stunde lang.

Aber es gab noch mehr Ungemach: Auch die Spieler waren merkwürdig. Ein Spieler hat sich einen Vargen-Berserker-Powergamingkämpfer gebaut. Seine Freundin hat die Regeln zu “Gefolgsleuten” geminmaxt und hat ihrer Magierin einen Leibwächter spendiert, der nun leider gerade meinen Archetypen-Charakter obsolet gemacht hat. Ein dritter Spieler hat sich immer wieder darüber beklagt, dass bei seinem Archetypen-Kämpfer ein abgeleiteter Wert falsch berechnet war. Eine vierte Spielerin war so frustriert, dass sich ihr Charakter in den Schatten gesetzt hat und darauf wartete, bespielt zu werden. Irgendwann bin ich einfach gegangen.

 

Zur Definition eines One Shots. Hier möchte ich den Eskapodcastern in einem Punkt widersprechen. Ich denke, dass One Shots durchaus aneinander anknüpfen können. Auch sehe ich Potenzial zur Charakterentwicklung zwischen den Abenteuern. Ein Paradebeispiel sind die Mondsplitter-Abenteuer. Diese sind eigenständige Abenteuer, die aber doch irgendwie miteinander verbunden sind. Ich gehe noch einen Schritt weiter, denn ich glaube an eine One-Shot-Kampagne. Die Pathfinder-Society-Abenteuer (und irgendwie auch die Abenteuerpfade) gehen stark in diese Richtung: Die Abenteuer sind so konzipiert, dass die einzelnen Szenarien an einem Abend abgeschlossen werden können. Die große Schwäche von frühen Kaufabenteuern und Kampagnen war, dass sie keine sinnvollen Zwischenstopps hatten (vor allem bei DSA). Das Gesagte gilt natürlich nur für private Runden, nicht für Cons.

 

Zur Veröffentlichung von One Shots. Diesen Punkt will ich nur noch einmal aufgreifen, weil er mir selber so wichtig ist: Ich brauche mehr One-Shot-Abenteuer im Stil eines Schnellstarters. Ich will Abenteuer, die mit Archetypen (die einen Bezug zum Plot haben) ausgeliefert werden. Ich überlege ernsthaft, ob ich mal archetypische Gruppen zu DSA5-Heldenwerken erstellen will… Aber grundsätzlich finde ich es interessant (und ich freue ich mich ein wenig) dass die Eskapodcaster die Zukunft unseres Hobbys ähnlich sehen.

 

Zusammengefasst ist für mich die Kernbotschaft des Podcasts, dass ich mich auf beim nächsten Convention-Besuch mal bei einer Cthuhlu-Runde einschreiben muss.

 

Bis dahin die besten Grüße

A.