Kurz quergelesen: Angbarer Bock

von ackerknecht

Ach, da kommt der Meister!

Herr, die Not ist groß!

Die ich rief, die Geister

werd ich nun nicht los.

Hach, eigentlich ist die Serie “Heldenwerk” ja ein Paradies für Bauergamer. Ich habe Kornspeicher gebaut, Deiche repariert, Schafe als Belohnung angenommen, andere haben Apfelwürmer gesucht, und vieles mehr. Aber allmählich reicht es. Als nächstes wird noch die Eröffnung des ersten Havener Caffeehauses verschoben werden müssen, weil Räuber die Kaffeemühle gestohlen haben. Das aktuelle Heldenwerk führt uns jedenfalls nach Angbar, wo es auf einem Volksfest Heldenhilfe braucht, um den Bierausschank zu retten. Für eine komplette Rezension habe ich nicht die Muße, einen kurzen Eindruck will ich aber aufschreiben. Los geht’s!

Die Handlung in Kürze: Der Fürst von Angbar gibt ein Volksfest, um den neuen “Bock” einzuweihen – ein schweres Geschütz und Meisterwerk zwergischer Ingenieurskunst. In der Bierstube Wackerbusch kommt es dabei zu Problemen: Aus Versehen ist ein Kobold befreit worden, der vor vielen Jahren in ein Bierfass gebannt wurde. Die Helden müssen nun die Spuren des ersten hügelzwergischen Traviageweihten in das Dorf Rosenhügel verfolgen, um den Kobold erneut zu verbannen.

Das Abenteuer hat mithin drei Themen: Kobolde, Bier und Hügelzwerge.

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Thema 1: Kobolde. Das Szenario “Wir suchen Kuriositäten, um einen nervigen bis gefährlichen Kobold zu bannen” gab es schon oft. Angbarer Bock ist in diesem Genre durchaus im oberen Mittelfeld, da habe ich schon schlimmeres gesehen. Gerade die Idee vom Bierkobold oder “Broxkel” ist kreativ und verdient Lob. Trotzdem verliert der Angbarer Bock gegen meine erste Empfehlung im Bereich der Kobold-Schnitzeljagd: Das Panhumoricum.

Thema 2: Bier. Oh, ich kann es nicht mehr hören. tut mir leid, aber das Klischee “Bier-Zwerge-Trololol” ist sogar mir als altem DSA-Spieler zu ausgelutscht und abgenudelt. Sorry, ich bin raus. Aber auch Fans von Bärten und Bierhumpen empfehle ich zuerst das Abenteuer Bier von den Nanduriaten.

Thema 3: Hügelzwerge. Es ist Dezember 2001. Meine Kumpels und ich sind gerade aus dem Kino gekommen und wollten anschließend noch clubben gehen. Aber auch auf und neben der Tanzfläche können wir nicht anders und müssen das eben gesehene Meisterwerk diskutieren: Herr der Ringe – die Gefährten.

Kumpel (gegen das Bassgewummer anbrüllend): “Ich fand die Hobbits saucool!”

Ich (genauso brüllend): “Ja! Anderes Thema – Ich find’s auch cool, wie die DSA-Redaktion die Hobbits eingebaut hat, ohne das Wort Hobbits zu verwenden!”

Kumpel: “Hääääähhh?”

Ich: “Du hast doch selber mal einen gespielt! Dein Geode?”

Kumpel:

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(Verwendung zum Zwecke der Karikatur, Parodie oder Pastiche)

Spaß beiseite: Ich mag die Hügelzwerge wirklich gern. Mir fällt gerade kein Abenteuer ein, das ich dem Hügelzwerg-Fan direkt empfehlen würde, von daher gebe ich dem Angbarer Bock hier eine Chance. Gerade die geschichtlichen Hintergründe des hügelzwergischen Traviaglaubens sind sehr interessant.

Vermischtes. Was ich nicht verstehe: Wieso musste das Abenteuer Angbar verlassen? Wieso wird das Volksfest mit der Einweihung des Onagers nicht ausgebaut? Mit den Wetten auf die Reichweite wird hier schon ein interessanter Handlungsstrang angedeutet, aber nicht ausgebaut: Vielleicht gibt es Saboteure, weil so viel Geld im Spiel ist? Vielleicht sollen es die Helden selber sein? Je nach Stimmung in der Gruppe kann man das ernsthaft (mit Gefahr für Leib und Leben der Bedienmannschaft oder der Festbesucher) oder eher locker (Manipulation an den Maßstäben) ausspielen. Wobei – wenn die Helden am Maßband rumfummeln wartet am Ende noch ein Inquisitionskommando wegen Eichbetrugs auf sie…

Oder eine andere Idee: Ein sehr alter, sehr konservativer Rondrageweihter wettert gegen das “unehrenhafte” Geschütz – was total witzlos ist, da der Angbarer Bock ja ein Schlachtfeld-untauglicher Prototyp ist. Dann überzeugt ein reisender Nandus-Geweihter aber den Fürsten, das Geschütz zur Sicherung des Hafens zu verwenden. Als der Nandusgeweihte dann über die strategischen Vorzüge von “Gruppenkontrolle” und “Flächenschaden” referiert, droht die Situation zu entgleisen…

Noch zwei kleine Detail-Mäkeleien zum Schluss: Ich weiß, aus Verlagssicht muss man so tun, als hätte es frühere Editionen nicht gegeben. Daher verweise ich hier selber auf die Angbar-Beschreibung aus Patrizier & Diebesbanden. Und in der Einleitung legt der Autor seiner “Braugrevin” folgendes in den Mund: “Dann gelingt dem Brauer nichts mehr, […] bis zu Gerste, die plötzlich wieder Wurzeln schlägt.” Ich bin Ackerknecht und kein Bierbrauer, aber ist das nicht der Punkt beim Mälzen?

😉

Beste Grüße

A.

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