Viele Dinge, die man mal machen könnte…

von ackerknecht

Inspiriert von der letzten Folge des Eskapodcasts diskutiert die Blogosphäre über Dinge, die eine Rollenspielerin mal gemacht haben sollte. Da mache ich mit. Ich habe sogar noch drei neue Vorschläge für Dinge, die man machen kann. Mit der Betonung auf „kann“, denn ein „Muss“ sehe ich bei den wenigsten Sachen. Verweisen möchte ich außerdem auf Teylen und Runway61, deren Einschätzungen ich häufig teile. Die ursprüngliche Episode des Podcasts habe ich (noch) nicht gehört, das hält mich aber nicht vom schlau daherreden ab. Auf geht’s!

Auch mal Spielleiter / Spielleiterin bzw. Spieler / Spielerin sein. Einer von zwei Punkten auf der Liste, die ich vollkommen vorbehaltslos unterschreibe. Auch wenn man sich auf seiner Seite vom Tisch wohlfühlt, die andere Seite sollte man unbedingt mal gesehen haben.

Habe ich es schon gemacht? Ja, beides mache ich sehr gerne. Wobei ich merke, dass ich etwas Leitungs-Burnout habe und deshalb mal wieder Spieler sein sollte.

An einem besonderen Ort / im Freien spielen. Ist sehr empfehlenswert, aber kein Muss. Ein paar meiner schönsten Runden waren am Lagerfeuer oder in der Mittelalterkneipe. Wenn man aber die vertraute Umgebung des eigenen Wohnzimmers braucht, um sich in Alrik zu verwandeln, dann soll man das auch bitte so halten.

Habe ich es schon gemacht? Ja, immer wieder gerne.

Eine Rollenspiel-Con besuchen. Ist auch dringend zu empfehlen, selbst wenn man nur die eigenen Vorurteile bestätigt bekommt und feststellt, dass es einem nicht gefällt. Wenn man aber die vertraute Umgebung… siehe oben.

Habe ich es schon gemacht? Ja, immer wieder gerne.

Teilnahme am Gratisrollenspieltag. Häää? Das ist der erste Punkt, den ich nicht verstehe. Ich verstehe den Ansatz hinter dem GRT und finde ihn wichtig und unterstützenwert. Aber warum ist diese „Con“ jetzt wichtiger oder besser als alle anderen?

Habe ich es schon gemacht? Nein, und ich plane es auch nicht.

Eine Onlinerunde spielen. Sehe ich jetzt auch nicht als unverzichtbar an. Die Teilnahme an einer Onlinerunde wird aber, dank unserer immer größer werdenden Mobilität und des flexiblen Arbeitsmarktes und so weiter, für die meisten von uns immer wahrscheinlicher. Onlinerunden sind ein extrem gutes Mittel, um den Kontakt zu „Heimatrunden“ zu halten. Daher sollte man dieses Werkzeug nicht prinzipiell ablehnen. Onlinerunden haben eine etwas andere Dynamik, aber die Teilnahme lohnt sich wirklich.

Habe ich es schon gemacht? Ja, und in der Zukunft wird es öfter passieren.

Foren- bzw. Briefrollenspiel. Briefrollenspiel ist halt ein komplett anderes Hobby. Ich denke da an das Baronie-Spiel bei DSA: Hier geht es hauptsächlich um World Building und dergleichen. Daher sehe ich hier keine Notwendigkeit, es auszuprobieren. Wem es gefällt, bitte gerne.

Habe ich es schon gemacht? Wir haben vor 20 Jahren, um in Kontakt zu bleiben, erfolglos versucht unsere alte Rollenspielrunde als E-Mail-DSA weiterzuführen. Mit den modernen Online-Möglichkeiten klappt das wesentlich besser.

Geocaching-Rollenspiel. Häääää? Warum? Warum kein Trinkrollenspiel oder Kegelrollenspiel?

Habe ich es schon gemacht? Nö.

Mal eine fanatische Spielfigur spielen. Ganz schlimmer Vorschlag. Alle Welt redet davon, wie man unser Hobby zu einer besseren Erfahrung für alle Beteiligten machen kann, und dann soll man einen Charakter spielen, der per definitionem Stunk macht? Ist das so ein Katharsis-Ding: Ich muss erst mal ein Arschloch spielen, um dann ein noch netterer Mensch zu werden? Wenn nach so einer Runde nicht wenigstens ein/e Mitspieler/in ernsthaft angepisst ist, dann hat man den Fanatiker nicht richtig gespielt. Von daher ein klares Nein. Wenn es unbedingt sein muss, dann bitte in einer 2-Praioten-3-Bannstrahler-Themengruppe.

Habe ich es schon gemacht? Mein radikalster Charakter war ein Badilakaner-Mönch, der alle gesammelte Beute sofort im Travia-Tempel abgegeben hat. Also eher nein.

Ein Abenteuer entgleisen lassen und trotzdem zu einem guten Ende bringen. Ich finde die Formulierung „lassen“ hier komisch. Entgleiste Abenteuer haben ja meist eine Eigendynamik gewonnen, die nur schwer einzufangen ist. Hört sich aber an wie ein Rezept für einen gelungenen Abend. Um es etwas spitzer zu formulieren: Sind es nicht solche Abende, die uns überhaupt bei diesem Hobby halten?

Habe ich es schon gemacht: Ja.

Als Spielleiter einen ungeplanten Party kill durchziehen. Beim Wort „Partykill“ stellen sich mir immer die Nackenhaare auf…. Aber ja, jeder Spieler sollte einmal einen Charakter vollkommen unerwartet sterben sehen, und jede Leiterin sollte einen ausgewürfelten Charaktertod mindestens einmal eiskalt durchziehen (auch wenn dem Spieler schon der Pipi in den Augen steht).

Habe ich es schon gemacht? Ja.

Die Reality-Experience. Auch wenn ich ohne Rollenspiel niemals zu meinem zweiten Lieblingshobby, dem Bogenschießen, gekommen wäre: Die Beschäftigung damit hat mir Bogenschützen im Rollenspiel komplett verleidet. Daher: Kann man machen, muss man aber nicht. Ich mache das hier schließlich, um im Kopf Dinge zu erleben, die im echten Leben nicht gehen würden.

Habe ich es schon gemacht? Ja, siehe oben.

LARP spielen. Live Rollenspiel erfordert, auch wenn man es nur einmal ausprobieren will, doch einen recht hohen Einsatz an Zeit und Geld. Und LARP hat einen sehr hohen stochastischen Pappnasenfaktor: Wenn man einmal einen Stinker bei einer Pen&Paper-Runde hat, dann ist für fünf Leute der Abend versaut. Wenn man einmal einen Stinkstiefel bei einem LARP hat, ist für 50 Leute das Wochenende im Arsch. Daher meine Empfehlung: Lieber mal auf das Mittelalter Phantasie Spectaculum oder so fahren.

Habe ich es schon gemacht: Ja, aber auch mehr im Sinne eines Reinschnupperns (Tagesbesucherausweis in Mythodea).

Einschlägige Filme schauen. Irgendwo da draußen gibt es sicher Menschen, die mit Herr der Ringe, Game of Thrones, Star Wars, etc. nichts anfangen können, die aber trotzdem bei diesem Hobby gelandet sind. Das Gleiche gilt auch für weiße Elefanten mit drei Augen.

Habe ich es schon gemacht? Ja, selbstverständlich.

Stereotype Rollenspiele spielen. Irgendwo da draußen gibt es sicher Menschen, die niemals mit einem der großen vier Systeme (D&D, DSA, Shadowrun oder Cthuhlu) in Berührung kamen, sondern gleich mit FATE oder Gumshoe eingestiegen sind. Das gleiche gilt… Moment, das stimmt so jetzt nicht. Wenn jemand z.B. in eine Numenera-Runde reingerutscht ist, weil sein Lebensgefährte Numenera spielt und die Freunde Numenera spielen, dann spielt man hat nur Numenera. Und wenn man nur der Freunde wegen spielt, dann braucht man auch kein DSA oder D&D zu lernen. Wenn sich so eine Runde dann auflöst, hören solche Spieler in der Regel dann auch wieder auf. Solche Spieler interessieren sich aber auch nicht für die Blogosphäre und deren 10-Punkte-Listen. Wenn man allerdings dann weiter spielt und sich eine neue Runde sucht, dann wird man zwangsläufig auf die großen vier stoßen…

Habe ich es schon gemacht? Ja, selbstverständlich.

Mal was anderes mitspielen / an einer anderen Spielrunde teilnehmen. Hier gilt das gleiche wie beim Punkt zuvor. Diejenigen, die es bis zum Eskapodcast geschafft haben, werden das schon einmal gemacht haben. Diejenigen, die seit 18 Jahren mit derselben Gruppe Shadowrun spielen und dabei glücklich sind, brauchen sich den Aufwand nicht zu machen.

Habe ich es schon gemacht? Ja, selbstverständlich.

Aktiv an der Community teilnehmen. Und auch hier wieder: Das kann man mal machen. Wer bei RSP-Blogs mitliest, hat es in der Regel auch schon gemacht. Aber ein „Muss“ ist es nicht.

Habe ich es schon gemacht? Bestimmt.

Unkonventionelle Gruppenkonzepte erleben. Es ist gut, sich einen Notfallplan für ungeplante Zusammensetzungen zu überlegen. Ich habe für die häufig vorkommende Situation „Ein Leiter, zwei Spieler“ mal ein LITE-Setting namens „ARD Tatort“ entwickelt. Aber bei 1:1-Situationen sind wir meist auf eine Partie Magic ausgewichen, bei mehr als 6 Leuten auf eine Runde Werwölfe. Was mich reizt wäre mit einem zweiten Leiter und ca. 10 SpielerInnen (sowie ausreichend Raum und Zeit zur Vorbereitung) mal ein Multi-paralleles Abenteuer zu machen. Aber in der Summe ist das hier auch ein „Kann“ und kein „Muss“.

Habe ich es schon gemacht? Nein, in der Regel haben wir was anderes gemacht.

Sich mit der Rollenspielgeschichte beschäftigen. Och, wenn man es denn mag. Ja, kann man machen. Muss man aber nicht. Irgendwie neigen die Rollenspiel-Historiker, die ich kenne, zu einer ganz eigenartigen Heldenverehrung (egal ob Cygax, Arneson oder Kiesow). Von daher mit Vorsicht zu genießen.

Habe ich es schon gemacht? Nicht wirklich. Interessiert mich aber auch nicht.

Musik beim Rollenspiel einsetzen. Ist ganz nett. Kann aber auch schief gehen. Definitiv keine megawichtige Rollenspiel-Erfahrung.

Habe ich es schon gemacht? Ja. Ich empfehle Ambiente-Geräusche und einen bassstarken BlueTooth-Lautsprecher unter dem Tisch.

Mal ein Abenteuer selber schreiben oder improvisieren. Der letzte Punkt sind eigentlich zwei Punkte, und die sind beide wichtig. Selber ein Abenteuer zu schreiben und zu veröffentlichen (zur Not auf dem eigenen Blog) ist ein ganz hervorragendes Gefühl. Und einen Abend lang nur zu improvisieren ist unfassbar anstrengend, aber total befriedigend. Hier sehe ich zwei Mal ein „Muss“.

Habe ich es schon gemacht? Ja und ja.

NEU: Einmal Tabletop-Miniaturen bemalen. Ich weiß, hier geht es wieder um ein ganz anderes Hobby. Und ich bin auch kein großer Fan von Minis im Rollenspiel. Aber die modernen Minis sind so gut defniert gegossen und die modernen Farben sind so einfach in der Anwendung, dass sogar Kunstlegastheniker wie ich Sachen hinkriegen, die man sich gerne ins Nerd-Regal stellt.

NEU: Einmal Dorktower und Order of the Stick komplett lesen. Es sind echt großartige Webcomics zu unserem Thema.

NEU: Einen Abend lang etwas komplett behämmertes anderes spielen, weil eine Runde sehr kurzfristig entfällt. Alle sind da, haben sich den Abend frei genommen und kurz vor Start meldet sich die Spielleitung krank. Was machen wir also? Ein Abend Zombiewürfel, ein Streetfighter II-Turnier auf dem Super NES, der VS-Modus von Metroid Prime Echoes auf dem GameCube,… irgendwas total abwegiges. Die Pizza war halt schon bestellt…

So, frohes weiterdiskutieren,

Gruß

A

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