Kriegerqueste

von ackerknecht

Gloria von den Nerd-Gedanken hat die 41. RPG Blog-o-Quest ausgerufen. Thema ist “Blut & Stahl” – es geht um alles kriegerische. Hier sind meine Antworten. Auf geht’s! (Warnung vorweg: Die Antwort auf Frage 3 wird lang.)

1) Lieber strahlende Kriegerheldin oder zwielichtiger Söldner?

Ich verstehe den Trope der strahlenden Heldin, und ich finde ihn gut und wichtig. Nur meine Tasse Tee ist es nicht. Aber auch mit dem “zwielichtig” habe ich Probleme – ausgewiesen finstere Charaktere habe ich nie gespielt. Daher ziehe ich mich feige auf “Söldner mit harmlos-netten Charakterfehlern” zurück.

2) Spielst Du selbst einen Kriegercharakter? Wenn ja, stelle ihn oder sie hier doch einfach mal vor – wenn nein, verrate Deinen Lesern, warum Du keinen Kriegercharakter spielst.

Ich habe immer wieder Krieger gespielt, in chronologischer Reihenfolge aufgelistet:

  • In DSA3 spielte ich Endijian, einen maraskanischen Krieger, den ich nach Lektüre der Witzko-Soloabenteuer “Am Rande der Nacht” und “Die Ungeschlagenen” selber und ganz allein erfunden habe – wie jeder andere DSA-Spieler in den 90er Jahren. Ursprünglich hatte ich ihn als beinharten “Tod dem Mittelreich”-Rebellen konzipiert. Da wir größtenteils Kaufabenteuer gespielt haben, ließ sich das aber nicht lange durchhalten.
  • In DSA4.0 habe ich einen Charakter namens Travinian gespielt, einen ehemaligen Fasarer Gladiator, der zum Badilakaner Bettelmönch konvertiert ist. In meiner damaligen Gruppe war ein ehemaliger D&D-Spieler, der lange nicht glauben wollte, dass ich durch diesen “Klassenwechsel” keine coolen neuen Features erhalten habe (nur eine Talentspezialisierung “Betteln”).
  • Zu DSA 4.1-Zeiten spielte ich viel mit Calman Ackerknecht, den ich hier detailliert vorstelle.
  • Für DSA5 plane ich, einen sehr phexgläubigen Söldner zu spielen. Dazu angeregt wurde ich durch die Kor-Folge des DSA-Intime-Podcasts, die regeltechnische Inspiration stammt aus NickNacks DSA-Weihnachtsgeschenk 2016.
  • In Splittermond wollte ich es erst mit einem zwingarder Skeftamagus probieren, auch wenn ich immer noch Probleme mit der Darstellung von Bogenschützen habe. Aktuell spiele ich einen selenischen Feuersöldner.
  • In Shadowrun habe ich hingegen immer nur Magier gespielt. Aus Gründen, die bei Frage 3 genauer erläutere, hatte ich immer wenig Vertrauen in Feuerwaffen…

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3) Pleiten, Pech und Pannen gibt es immer dann, wenn Spieler kritisch auf Würfel treffen. Teilt eure Erinnerung an den witzigsten, seltsamsten, unpraktischsten oder gefährlichsten Patzer in einer Kampfsituation!

Okay Kinder, setzt Euch ums Lagerfeuer, macht es Euch bequem, das könnte jetzt länger dauern. Opa Ackerknecht erzählt eine Geschichte aus den 90ern.

Zwei Jungs aus meiner DSA-Gruppe und ich wollten zum ersten Mal Shadowrun spielen. Außer uns dreien waren noch zwei weitere Spieler an Bord, die ich noch nicht kannte. Ich sollte Leiter sein, das Abenteuer hieß “Murder Media”. Kurze Zusammenfassung dazu: In “Murder Media” geht es um einen Piratensender, der eine Crew handverlesener Psychopathen auf semi-zufällig ausgewählte Opfer hetzt und das dann im Trideo überträgt. Natürlich sollen im Abenteuer die SC diese Opfer sein…

Einer der DSA-Spieler hat die Charaktergenerierung und das Charakterspiel an sich sehr ernst genommen. Er war quasi der personifizierte Barbiespieler. Leider hat er auch Dinge, die seinen Helden passiert sind, immer sehr stark auf sich bezogen. Meine unauffällig eingestreute Frage, ob sein Charakter Geschwister hat, hat die Generierung nicht unbedingt beschleunigt. Der Spieler war aber sehr davon fasziniert, das Shadowrun-Charaktere Sachen wie eine Familie (oder einen festen Wohnsitz) haben – unsere DSA-Helden waren immer die letzten Überlebenden eines Orkmassakers.

Jedenfalls, das Abenteuer beginnt.

Ackerknecht (blättert im Abenteuer): “Also, deine Schwester wurde vom wahnsinnigen Trollritter entführt. Er fordert Dich zu einem Schwertkampf auf Leben und Tod in einer verlassenen Kirche.”

Spieler: „Mist, was soll ich jetzt machen? Im Nahkampf habe ich keine Chance gegen einen wahnsinnigen Trollritter!“

Die anderen Spieler: „Nimm doch Dein Scharfschützengewehr!“

Spieler: „Meint Ihr echt?“

Die anderen Spieler nicken, die Spielleitung zuckt mit den Schultern.

Spieler: “Okay, ich packe mein Scharfschützengewehr ein und fahre los.”

Auch wenn das Abenteuer vorschrieb, dass der Troll der Entführten schlimme Dinge antut, wenn man sich nicht zum Duell stellt, fand ich den Plan gut. Der Spielercharakter war als Scharfschütze angelegt, und ich mochte die Botschaft, dass die SC die Regeln machen wollten und sich nicht auf das Spiel der Antagonisten einließen.

Ackerknecht (liest aus dem Abenteuer vor): “Also, der Troll steht mit erhobenem Zweihänder über Deiner Schwester, die bewusstlos auf dem Altar liegt. Er brüllt wütende Drohungen ins Mikro einer Kameradrohne.”

Spieler: “Joah, ich drücke ab.”

Bis hierhin war die Situation unter Kontrolle. Wie gesagt, für den Auftakt des Abenteuers fand ich den Plan okay. Ein leichter Sieg für die SC. Der Wurf war auch nicht groß erschwert. Aber dann kam der Patzer. Und ich wusste nicht, wie ich damit umgehen soll. Soll ich die Aktion irgendwie per Deus ex Maschina retten? Aber die beiden neuen, wollen die vielleicht lieber ein konsequentes Spiel? Und ich entschied mich für die schlimmste Lösung.

Ackerknecht (nervös im Abenteuer blätternd): “Die Kugel prallt von der Rüstung ab, der Troll schlägt zu.


Deine Schwester ist dann jetzt tot.”

Das war die letzte Shadowrun-Runde für längere Zeit. Es hat lange gebraucht, um die Freundschaft wieder zu kitten. Und es wäre so leicht zu vermeiden gewesen. Einfach vorher darüber reden, was die Spieler wollen. Nicht sklavisch an gedruckte Abenteuer halten. Den Spielspaß der Gruppe in den Vordergrund stellen. Rote Linien abklären. So vieles, das man heute weiß. Naja, es waren 90er, ich war 15, also Schwamm darüber?

4) Größere Schlachten verkommen im Pen’n’Paper gerne zu einer üblen Würfelorgie. Wie handhabt Ihr das Kampfgeschehen mit vielen beteiligten NPC in eurer Spielrunde und welche Elemente braucht es, damit eine Massenschlacht für Dich spannend bleibt?

In Schlachtensituationen verwende ich fast immer die Variante “Staub und Lärm”: Die SC kämpfen ihre individuellen Kämpfe, der Ausgang der großen Schlacht drumherum richtet sich nach den Ergebnissen dieser Einzelkämpfe. Ich mag aber zunehmend Systeme, die für kleine Scharmützel Ansätze wie Bandengegner oder reduzierte Stats für Statisten verwenden.

5) Kein Kriegerleben ohne Blut und Tod – was war die schlimmste Wunde oder der epischste Tod, den Du im Kampfgeschehen bisher miterlebt hast?

In einem Ratten!-OneShot: Meine Scharfzahnratte ertrank im überfluteten Keller des Kaufhauses, die Zähne in die Hoden eines eindringenden Bisams verbissen.

Bonusfrage: Nennt eure kriegerische Lieblingsklasse (gern auch Kombiklasse) und das dazugehörige Rollenspielsystem!

Kombiklasse ist das Stichwort. Ich stehe auf Hybridkämpfer, also Krieger mit ein paar (gerne wenigen) magischen Optionen. Beispielsweise wären das in Pathfinder der Shapeshifter-Druide oder der Dual-Wield-Ranger. Daher ist mein Favorit im Moment der mystische Krieger aus Splittermond.

Das war es für heute. Wir sehen uns Anfang März, wenn ich zur Quest “Wie nerdig sind wir eigentlich noch?” einlade.

Beste Grüße

A.