Gorbatschow, Reagan und Kohl gehen in eine Kneipe…

von ackerknecht

Der Karneval der Rollenspielblogs hat diesen Monat „Zeitsprünge“ zum Thema. Ich nutze diese Gelegenheit, um einen alten Text aus meinen Entwürfen endlich fertig zu kriegen. Es geht auf einen Sprung in eine meiner liebsten alternativen Vergangenheiten, das Jahr 1982 in der Welt von „Bergungskreuzer Möwe“. Für Leute, die diese Welt nicht kennen, hier eine kurze Einführung. Bergungskreuzer Möwe ist ein FATE-Setting mit folgender alternativer Geschichte: Im Jahr 1870 ist über dem atlantischen Ozean eine außerirdische Flugscheibe aufgetaucht, die versucht hat, den Planeten zu „aquaformen“. Dies hat zu einem steigenden Meeresspiegel geführt. Nach einer verlustreichen Seeschlacht gelang es der deutschen Kriegsmarine in letzter Sekunde, die Scheibe zu zerstören und im Nordatlantik zu versenken. Deutschland konnte sich in der Folge zur führenden Macht im größtenteils überschwemmten, aber weitestgehend friedlichen Europa entwickeln. Die Spieler verkörpern die Mannschaft des Kreuzers „Möwe“, der die nordeuropäische See befährt, um Relikte aus untergegangenen Städten wie Hamburg, Berlin oder Hannover zu bergen.

Ich liebe die Hintergrundstory und das trashige, grelle 80er-Jahre-Feeling des Settings (allein die Liste mit den Tipps zur musikalischen Untermalung bringt mich jedes Mal zum Lachen). Ich fremdele aber ein wenig mit der politischen Großwetterlage. Für mich gehört der Kalte Krieg (bzw. die westdeutsche Perspektive) mit zu den Achtzigern. Als Kind habe ich davon hauptsächlich über Witze, die mit „Thatcher, Honecker und Helmut Kohl kommen in den Himmel…“ begonnen haben, mitbekommen. Die haben wir als Unter-10-Jährige natürlich nicht verstanden, aber trotzdem mit Inbrunst und Begeisterung weiter erzählt. Daher ist hier meine Interpretation der wichtigsten Politiker der Achtziger Jahre für „Bergungskreuzer Möwe“.

Deutschland. Das ist der einfachste Fall. Das deutsche Staatsoberhaupt mag Kaiserin Mechthilde in München sein. Regierungschef ist selbstverständlich Reichskanzler Dr. Helmut Kohl.

Russland. Auch dieser hier ist relativ einfach. Der Zar mag Staatsoberhaupt und meinetwegen auch Regierungschef sein. Das Gesicht des russischen Reichs in Deutschland ist Premierminister Michail Gorbatschow.

USA. Jetzt wird es schon schwerer. Die USA haben in diesem FATE-Setting einfach nicht die politische Führungsposition, die sie in der Realität hatten. Aber zu einem Achtziger-Jahre-Setting gehört für mich einfach die kulturelle Prägung durch das US-Fernsehen. Die US-Actionserien waren einfach zu wichtig. Diese Rolle können die USA auch in „Bergungskreuzer Möwe“ wahrnehmen. Ich denke da an San Antonio Vice: Coole Typen, heiße Bräute und atemberaubende Speed-Boat-Verfolgungsjagden in der texanischen Hafenstadt. Und wer passt besser zu diesen USA als der Ex-Schauspieler Ronald Reagan im Präsidentenamt?

Großbritannien. Uh, sehr schwierig. Durch das außerirdische Aquaforming wurden die britischen Inseln fast zerstört und das britische Empire ging buchstäblich unter. Aber dazu passt eine Regierungschefin, die das Land durch einen eisernen Sparkurs konsolidiert hat und jetzt grimmig mit ihrer Handtasche alte Schulden ihrer Bündnispartner einfordert: Margaret Thatcher.

Galizien. Ähhhh, was? Ich habe keine Ahnung, was Galizien für eine Rolle in der Welt von „Bergungskreuzer Möwe“ spielt. Das Land ist ohne weitere Erläuterungen auf der Europakarte eingezeichnet. Vielleicht ist es, aufgrund seines fehlenden Seezugangs, ein rückständiges Land, das am Finanztropf des russischen Reichs hängt? Sein Botschafter in München ist jedenfalls immer der Leidtragende in den eingangs genannten Witzen. Grundsätzlich ist er das Sinnbild für Rückständigkeit und Hinterwäldlertum: Erich Honecker.

Soweit zu diesem Karneval,

Beste Grüße

A.

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