Vorsichtig Optimistisch: Die DSA-Einsteigerbox

von ackerknecht

Gestern habe ich etwas zu Rollenspielprodukten für einen niedrigschwelligen Einstieg geschrieben. Heute möchte ich ein angekündigtes Produkt zum schwarzen Auge vor diesem Hintergrund etwas genauer betrachten. Im letzten Aventurischen Boten war eine ganzseitige Werbung für die kommende Einsteigerbox, die ich konzeptionell sehr interessant finde.

Nachdem diese Box schon etwas länger angekündigt war, habe ich mir Gedanken gemacht, in welche Richtung sie wohl gehen könnte. Ich bin fest davon ausgegangen, dass es eine abgespeckte Variante des Regelwerks sein würde, vergleichbar mit der Einsteigerbox zu Splittermond. Das fände ich persönlich gut, trotzdem hat der Gedanke meine Stirn ein wenig in Falten gelegt: Abgespeckte DSA-Regeln sind nie gut angekommen. Die Basis-Spiele der Editionen 3 und 4.0 sind in meiner Erinnerung sehr schlecht weggekommen. Das Grundregelwerk 4.1 ist etwas besser beleumundet, ich halte es trotzdem immer noch für eines der am stärksten unterschätzen Rollenspielbücher überhaupt. Ich schulde NickNack von Nandurion seit Jahren einen Artikel, in dem ich das etwas genauer erklären wollte…

Die jetzt kommende Einsteigerbox geht aber sehr stark in Richtung der Einsteigerboxen der Star-Wars-Spiele von FFG. Aber eins nach dem anderen. Die Box wird diverse Materialien enthalten, die man in einer solchen Box zurecht vermutet, wie Grundregeln, Regionsbeschreibung und Gruppenabenteuer. Hier finde ich gerade die Regionsbeschreibung (statt einer „Weltbeschreibung“) sehr interessant. Außerdem gibt es Würfel, was immer ganz praktisch ist – auch W20 sind Spezialwürfel, die nicht unbedingt jeder hat. Es werden auch Spielkarten mitgeliefert, die vor allem bei der Charakterentwicklung (also Steigerung) nützlich sein sollen. Mit diesen Spielkarten wird es in DSA5 etwas übertrieben, aber eine einfache Charakterentwicklung ist der Sache sicher dienlich. Besonders interessant finde ich aber zwei angekündigte Inhalte.

Vier mitgelieferte Archetypen. Zum einen interpretiere ich das so, dass es keine Generierungsregeln geben wird. Auf jeden Fall ein gewagter Zug, aber passend zu den Dingen, die ich gestern geschrieben habe. Zum anderen lässt mich die Auswahl (Kriegerin, Zwerg, Magier und Elfe) eunfach nur breit grinsen. Die klassischen Archetypen in der Fantasy sind Kämpfer, Zauberer, Dieb. Bei D&D kommt noch der Kleriker dazu. Bei Shadowrun sind es Samurai, Magier und Decker. Und bei DSA… Nichts verspricht so sehr klassisches DSA-Feeling wie diese Auswahl… Kriegerin, Zwerg, Magier und Elfe, mein Kerle… toll.

Viel Soloabenteuer, eins pro Abenteurer. Auch hier: Mehr klassisches DSA geht nicht. Soloabenteuer waren immer ein Alleinstellungsmerkmal von DSA, und es freut mich, dass diese Publikationsform wiederbelebt wird. Denn DSA war immer ein System mit viel Barbie-Spiel. Das Spiel zwischen den Runden ist für ein so sehr auf Einzelcharaktere fokussiertes System sehr wichtig (auch wenn es innerhalb der weiteren RPG-Szene manchmal etwas befremdlich wirkt).

Alles in allem bin ich vorsichtig optimistisch, dass diese Box ein gutes Produkt werden könnte. Sie wird eher nichts für mich (dafür bin ich dann doch zu lange dabei), aber sie könnte gut für das Hobby sein.

Bis demnächst,

Gruß

A.

P.S.: Was ist eigentlich die archetypische Dreier- oder Vierergruppe für Cthuhlu? Oder bei Earthdawn? Splittermond?

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