Schwerter- und Kanonenquest

von ackerknecht

Kurz vor Schluss will ich noch die Aktuelle RPG Blog-O-Quest mitnehmen. Runway61 stellt Fragen zu Mistforken, Sensen und Schießprügeln aller Art, hier sind meine Antworten.

Zu erst die Fragen zum persönlichen Hintergrund:

a. Welches Regelwerk spielst du am liebsten / am häufigsten?

Zur auf Nummer 1 liegt Splittermond. Danach folgt DSA, das ich im Wesentlichen aus alter Tradition spiele. (Na gut, die meisten meiner Freunde sind halt alteingesessene Wahlaventurier…) Ein paar meiner besten DSA-Kumpels versuche ich allerdings von einer Runde Beyond zu Wall zu überzeugen, und ich bin hoffnungsvoll, dass das in absehbarer Zeit klappen dürfte. Die nächsten Projekte wären eine Numenara- und eine Edge of the Empire-Runde…

b. Beschäftigst du dich auch sportlich mit Waffen? Zum Beispiel Bogenschießen, Kendo oder bist du Sportschütze?

Ich bin leidenschaftlicher Bogenschütze, wobei ich darauf hinweisen will, dass es sich dabei um ein Sportgerät und keine Waffe handelt. Daneben habe ich letztens mit Bo-Spinning angefangen, ein sehr spaßiges Hobby. Bringt in der Anfangszeit aber viele Beulen am Hinterkopf mit sich.

Auf zu den eigentlichen Fragen:

1. In DnD unterscheiden sich die einzelnen Waffen fast nur durch ihren Schadenswürfel, in Splittermond hat eine Waffe mehr Stats als Charaktere in anderen Systemen. Shadowrun hat ganze Waffenbücher während es in Fate Core kaum einen Unterschied macht, ob man mit Fäusten, Schwertern oder schweren Maschinengewehren kämpft. Wie wichtig sind dir viele verschiedene Waffen? Wie lange ist die ideale Waffenliste?

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Mit langen, detaillierten Waffenlisten habe ich kein Problem, wenn sie Sinn ergeben. Die unterschiedlichen Eigenschaften und Merkmale von Waffen sollten sich schon bemerkbar machen und „organisch“ anfühlen. Splittermond ist da ein positives Beispiel. Hier merke ich wirklich den Unterschied zwischen einem nordischen Breitschwert und einem orientalisch angegehauchten Krummschwert. Als Negativbeispiel muss wieder die Tabelle „Moderne Feuerwaffen“ aus Savage Worlds herhalten: Knapp 10 Gewehre, die sich nur in derMunitionskapazität (die man auch bei Wikipedia hätte nachlesen können) unterscheiden. Dann kann man es auch lassen.

Mit hochgradig abstrakten Systemen habe ich auch kein Problem. Beispiele wären TurboFATE (Kampf- bzw. Waffenschaden resultiert aus der Methode) oder Risus (Kampf- bzw. Waffenschaden resultiert aus dem Klischee). Womit ich nicht warm werde sind Systeme, die zwar Waffen als Crunch-Element haben, aber dann doch irgenwie nicht… zum Beispiel Numenera (es gibt leichte und schwere Waffen, das wars) und The Black Hack (ein unbewaffneter Schurke macht W4 Schaden, ein bewaffneter W6, das wars). Bei Numenera finde ich außerdem befremdlich finde, dass auf einen Schadenswurf (mit einem Würfel) verzichtet wird. Das fühlt sich irgendwie komisch an.

2. Die Artussage wäre nicht komplett ohne das Schwert Excalibur. Hat in deiner Rollenspielerfahrung schon mal eine Waffe eine ganz zentrale Rolle gespielt?

Hier gibt es eine kurze Antwort: Nö. Meine Versuche, eine der drei DSA-Großkampagnen Phileasson/G7/JdF zu spielen sind alle in die Brüche gegangen, bevor Seulas’Lintan, Siebenstreich oder Silpion eine Rolle gespielt haben.

3. Dein Wüstenkrieger ist fertig erstellt, fehlt nur noch die Ausrüstung. Ikonisch wäre als Waffe natürlich ein Krummsäbel, aber die Wikingeraxt macht viel mehr Schaden! Wie sehr gerätst du in Versuchung?

Gar nicht. Diesen Impuls hatte ich sogar schon in meinen wilden Teenager-Powergamerzeiten im Griff. Ich muss allerdings gestehen, dass ich als Spielleiter leider sehr unsouverän auf Spielerinnen und Spieler reagiere, für die so etwas wichtig ist.

4. Feuerwaffen in Fantasy/Fäntelalter-Settings finde ich in Ordnung.

Ich finde es witzig, dass diese Designentscheidung der Aventurienschöpfer aus den 80ern Rollenspieldeutschland bis heute umtreibt. Mit einfachen Steinschlossgewehren und Bombarden hätte ich (auch aus Sicht des Balancings, das meiner Meinung nach in dieser ache überbewertet wird) keine Probleme. Da solche Waffen für manche Settings (Arrrrrr…) aber essentielle „Tropes“ sind, finde ich die dazu geschaffenen Ersatzlösungen viel schlimmer. Oder in Kürze: Ich würde lieber mit Musketen und Kanonen als mit Arbalesten und Rotzen spielen.

5. Egal ob Bogen oder Sturmgewehr: wie haltet ihr es in euren Runden mit der Munition? Wird der Verbrauch nachgehalten? Muss neue Munition gekauft / gebaut / gelootet werden?

Ich bervorzuge den Verzicht auf Buchführung, mit zwei Ausnahmen:

  • Szenarien, in denen Munitionsknappheit eine wichtige Rolle spielt, z. B. Belagerungen. Auch ein Setting wie Metro 2033 würde darunter fallen.
  • Spezialgelagerte Sondermunition, wie z. B. APDS- oder EX-Explosivmunition bei Shadowrun. (Die anderen Shadowrun-Munitionstypen wie Flechette-, Gel-, Leuchtspur- oder auch nomale Explosivgeschosse würde ich aber wie normale Munition behandeln. Hier wiegen sich Vor- und Nachteile gegeinander auf.)

Ach ja, eine Ergänzung noch: Unter den „abstrakten“ Systemen der Munitionsbuchhaltung ist der Haltbarkeitswürfel aus The Black Hack im Moment mein Favorit.

Bonusfrage: Die ungewöhnlichste Waffe, mit der einer meiner (N)SCs je einen Gegner überwältigt hat, war…

Eine Schlittenkufe. Ich kann mich nicht mehr ganz genau erinnern, aber in der Geschichte spielen Nachtalben, ein umgekippter Eissegler und ein zerbrochenes Tuzakmesser wichtige Rollen.

Bonusanekdote: Ein Schwank zum Thema Waffen.

Mein Lieblings-DSA-Held ist der Kalman Ackerknecht, den ich hier detailliert beschrieben habe. Einmal habe ich ihn zu einer sehr erzählerisch geprägten DSA-Gruppe mitgenommen. Diese Gruppe war ein wenig von meiner Waffenwahl irritiert: Ein Streitkolben. „Wieso?“, habe ich mich gefragt, „Ein Streitkolben ist doch eine einfache, effektive Waffe, dem sozialen Stand als gemeiner Fußsoldat angemessen und nicht powergamingverdächtig?“ Ja, aber es ist auch im erzählerischen Kontext eine sehr brutale Waffe, die unschöne Wunden und grundsätzlich viel Schweinerei und Wehgeschrei anrichtet… Okay, hatte ich vorher auch nicht dran gedacht. Das Problem konnte aber recht einfach mit einem Kriegsbeil gelöst werden.

Wie viele andere Probleme auch.

Bis zum nächsten Mal,

Gruß

A.

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