Vorliebenzyklen und die mittlere Schule

von ackerknecht

Heiliger erhöhter Blog-Output, Batman! Gerade neulich habe ich darüber nachgedacht, wie sich meine rollenspielerischen Vorlieben im Kreis drehen. Und dann kam heute morgen dieser Beitrag von Infernal Teddy, der mich bewogen hat, diese Gedanken doch schneller als geplant zu Papier zu bringen.

Nach meinen letzten gut geglückten Ausflügen in One-Shot-Form nach Lorakis plane ich tatsächlich, etwas regelmäßiger Splittermond zu spielen. Halt so richtige Abenteuer, die auch mal länger als einen Abend dauern. Und damit bin ich wieder bei meinen rollenspielerischen Wurzeln angekommen: Ich habe das Verlangen, Kaufabenteuer zu spielen. So richtig schön ausformulierte Mainstream-Module wie zu DSA3-Zeiten:

  • Viel Stimmung, viel Hintergrund, viel „Welt“;
  • Ein paar Kämpfe;
  • Etwas Interaktion;
  • Einen Plot, an dem man sich entlang hangeln kann (der aber i. d. R. noch gründlich bearbeitet werden muss, wenn man ihn nicht mit der Holzhammermethode umsetzen will) und vor allem
  • Ein klares Ziel für die Spieler.

Verrückt, wie sich der Kreis schließt. Als ich 2006 nach langer Pause mein „zweites Rollenspielerleben“ begonnen habe, bin ich stark in das Erzählspiel eingestiegen. Das war nach etwas Anfangsverwirrung („Ich habe so einen tollen Plot vorbereitet, WIESO WOLLT IHR DEN NICHT???“) auch immer eine schöne Sache. Dann haben sich die Zeiten geändert. Das allgemeine Leben wurde anstrengender, die Zeit knapper. Mir fehlte immer mehr die Geduld, mich mit moralisch ambivalenten, ach-so-grauen Charakterdarstellercharakteren auseinander zu setzen. Ich war doch hier, um phantastische Abenteuer erleben! Das war dann der Beginn meiner „Bier&Bretzel“-Zeit und mein engster Kontakt zur OSR (im Geiste der Idee, weniger in den verwendeten Regeln). Wir wollten in den Keller steigen, die Echsenmenschen erschlagen und die Schätze rausholen, dazu Bier und Met trinken und in Chilisoße marinierte Honigrippchen essen! Jetzt bin ich wieder am Anfang. Ich habe Bock auf das eher einfache, eigentlich schon gut vorgekaute „phantastische Heldenspiel“.

Und jetzt kommt der Infernal Teddy. Ich frage mich, ob die beim Teddy beschriebenen Rollenspielphasen einfach von ihrer jeweiligen Zeit ausgelöst wurden?

Ist das taktische Rollenspiel der 70er/80er ein Kind des ausklingenden kalten Krieges? Immerhin konnte ich als Neunjähriger zu Zeiten des ersten Irakkrieges auch die technischen Daten aller beteiligten Kampfjets runterbeten (ohne damals sonderlich militaristisch angehaucht gewesen zu sein).

Hat uns die Unsicherheit des 21. Jahrhundert zum Erzählspiel getrieben? Haben wir vielleicht alle mit dem „Method Acting“ angefangen, um die krasse Scheiße, die um uns rum passierte, etwas besser begreifen zu können? Zur Einordnung: Ich habe mit 9/11 mit der Uni begonnen und pünktlich mit der Lehman-Pleite meinen Abschluss gemacht…

Was sagt uns das über das Spiel der Neunziger? Sind wir wirklich die Generation „Love Parade“ des RPGs? Viel seichtes Blabla ohne Substanz dahinter? Hier ist dann der Punkt, an dem man das Hobby nicht auf ein zu hohes Podest heben sollte: Es ist und bleibt letztlich nur ein Spiel, das Entspannung und Ablenkung bieten soll. Das erklärt mir selber auch meinen Rückweg zum eher leichten Kaufabenteuer: Die großen, existenziellen Krisen haben uns verschont – wir leben immer noch in einem der sichersten und wohlhabensten Länder der Welt (egal, was auf der Straße erzählt wird).

Der Community geben wir „Kinder der Neunziger“ etwas, das gerade im Internet der heutigen Tage manchmal verloren geht: Unverbissenheit.

Bis die Tage,

Gruß

A.

 

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