Von Emo-Elfen und Gothic-Gardisten

von ackerknecht

Neulich waren meine zwei alten DSA-Kumpels, die ich gern als Versuchskaninchen nutze, bei mir zu Besuch. Dieses Mal habe ich die Gelegenheit genutzt, um die beiden mit Splittermond bekannt zu machen. Die Ergebnisse dieses Feldversuchs möchte ich gern mit Euch teilen.

Wir haben den Schnellstarter zum Gratisrollenspieltag vom vorletzten Jahr verwendet. Unter den gestellten Archetypen fiel die Wahl auf Danuar Schattensegel, den albischen Heiler und Todesseher, sowie auf Wulfhard von Zwiefels, den Gardisten des Wächterbunds. Obwohl diese beiden die beste Wahl für das Abenteuer Die Nacht der Toten sein dürften, fiel die Auswahl rein zufällig aus.

Vier Dinge sind mir in Erinnerung geblieben:

Erstens: Ich kann Splittermond nicht aus sich selbst erklären. Ich weiß, dass ich dem System damit immer wieder Unrecht tue, aber wenn ich Splittermond in einem Satz erklären soll, dann ist es dieser hier: „Mit Splittermond haben ein paar Ex-DSA-Redakteure ein neues, verbessertes DSA gebaut.“ Aber wisst Ihr was? Es funktioniert super, gerade bei (durchaus begeisterten) DSA-Spielern. Man setzt sich an den Tisch und unterhält sich kurz über die Schwächen von Aventurien als Spielwelt. Und diese Schwächen sieht nun auch der begeistertste DSA-Spieler. Dann legt man die große Lorakis-Karte auf den Tisch, und es läuft.

Das ist überhaupt nicht als Lästern gemeint. Lorakis hat Stärken und Schwächen, Aventurien hat Stärken und Schwächen, es lässt sich so halt einfach erklären.

Zweitens: Der Risikowurf ist sehr verlockend. Meine Jungs stammen doch irgendwo aus der Computerspieler-Ecke, und sind leicht anfällig für’s Min-Maxing. Sie haben sich relativ schnell entschieden, die delikate SpliMo-Zahlenbalance über Bord zu werfen und den „4W10-Gamble“ zu zocken: Mit 86% Wahrscheinlichkeit treten wir heftig Ärsche, mit 14% kriegen wir aufs Maul. Normalerweise bringt man die Leute mit einem oder zwei vergeigten Würfen doch schnell wieder davon ab, leider ist es im Rahmen dieses Schnellstarters nicht zu wirklich heilsamen Patzern gekommen.

Ich sollte aber meine Politik, als SL fast nie Charaktere wegen mieser Würfe sterben zu lassen, überdenken: Wer den Risikowurf wählt, der wählt den Risikowurf.

Drittens: Das Kampfsystem flutscht, ABER… für diesen Abend hatte ich folgendes an Material vorbereitet:

  • Eine laminierte Hexfeldkarte samt Folienstift für Battlemaps;
  • Eine Tickleiste;
  • Pöppel in verschiedenen Farben, jeweils in mehrfacher Ausführung für Battlemap, Tickleiste und als Ersatz;
  • Chips als Splitterpunkte;
  • Lebenpunktleisten als Kampfprotokolle für NSC;
  • 10-Cent-Stücke, um auf der Tickleiste kontinuierliche Aktionen kennzeichnen zu können und
  • Karten mit taktischen Vorteilen für und gegen die SC.

Man sieht also, für schnelle, improvisierte und vor allem erzählerische Runden ist Splittermond nicht unbedingt das System der Wahl.

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Viertens: Die Material-Progression ist nicht stimmig. Der Abend war ein voller Erfolg. Nach dem Schnellstarter will ich die Jungs nächstes Mal eigene Charaktere bauen lassen, erst einmal mit der Einsteiger-Box. Leider sind die Charakteroptionen dort gegenüber dem „großen“ Regelwerk und den Schnellstartern anders vereinfacht. Ein Beispiel: Die Schnellstarter-Archetypen haben das volle Spektrum Kampffertigkeiten (wie im vollen Regelwerk), die Einsteiger-Box kennt nur Nah- und Fernkampf. Das ist aber nichts, was einen großen Geist stören sollte.

Bis zum nächsten Mal die besten Grüße wünscht

A., der diesen Text vollkommen unbeeinflusst von diesem Arkanileintrag verfasst hat.

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