Lernt was ordentliches!

von ackerknecht

Diesen Monat wollte ich mich eigentlich nicht am RPG-o-Quest beteiligen. Zumindest nicht in der gedachten Form, also dem Frage/Antwort-Spiel. Stattdessen wollte ich einen langatmigen und klugscheißerischen Text darüber schreiben, wie ich Crowdfunding im Rollenspielbereich wahrnehme. Dann kam dieser Artikel, in dem Ulisses über Auflagen und Entlohnungen am Beispiel eines Pathfinder-Quellenbuches sprechen. Und ich habe noch einmal umdisponiert. Stattdessen möchte ich mich zum einen an der daraus entstandenen Diskussion beteiligen, zum anderen möchte ich über eins meiner absoluten Lieblingsthemen schreiben: Mich selber!

Meine These zum Crowdfunding bei Rollenspielen ist im Kern folgende:

Crowdfunding ist die wichtigste Entwicklung in unserem Hobby, da es die Lücke zwischen den kleiner werdenden Verlagen einerseits und dem immer größer und professioneller werdenden Fandom andererseits schließt.

 

RPG-BLOG-O-Quest-Logo

Daran nehme ich dies Mal leider nicht teil…

Der Ulisses-Blog (und auch der ältere Prometheus-Artikel zum gleichen Thema) bestätigen mir die erste Hälfte des Statements: Die Verlage (und die Autoren) arbeiten mit einem hohen Einsatz persönlicher Arbeitskraft (und damit wahrscheinlich auch persönlicher finanzieller Mittel). Crowdfunding kann hier zwei wichtige Funktionen übernehmen: Das finanzielle Risiko berechenbarer machen und abfedern zum einen, und den Absatzmarkt realistisch einschätzen zum anderen.
Die Diskussion im Ulisses-Forum hat mir auf etwas eigenwillige Art und Weise den zweiten Teil meines obigen Statements bestätigt: Das Fandom wird immer engagierter und leistungsfähiger.

 

Der Forenthread zum Blogeintrag nimmt eine eigenartige Wendung. Ein Fan möchte den Verlag gerne mit eigenen Ideen und eigenen Arbeiten unterstützen. Dabei schwebt ihm mehr vor als z. B. ein Botenartikel. Er wisse nur nicht, wie er seine Ideen dem Verlag nahe bringen und ein Feedback dafür bekommen könne. Nach einer Handvoll Tipps von Autoren, die selber aus dem Fandom kommen, gibt er zu, dass er eigentlich nicht so viel Zeit, dafür aber total viele gute Ideen hätte, und dass seine Kumpels bei ähnlichen Vorhaben alle ignoriert wurden…

 

Miese_Skizze

Unfassbar, aber leider wahr: Damit habe ich mich mal an einem Wettbewerb beteiligt…

Tja. Ich glaube nicht, dass es in dieser Szene (DSA im Speziellen, RPGs im Allgemeinen) einen Mangel an Ideen gibt. Ganz im Gegenteil. Es gibt gute, kreative Autoren im Überfluss. Es herrscht ein solches Überangebot an ideenreichen Fans, die dass Ganze nebenberuflich machen, dass eine hauptamtliche Tätigkeit fast unmöglich geworden ist. Und mit überversorgten Märkten habe ich beruflich leider viel zu tun. Die Zeit der „großen“ Wettbewerbe wie Auf Aves Spuren ist zwar leider vorbei. Aber man schaue sich einmal an, wie viel Qualität beim WOPC abgeliefert wird… Nein, an Kreativität herrscht beileibe kein Mangel. Die Frage für einen Hobbyautoren ist doch: Wie bringe ich mein Werk an den Mann oder den Verlag? Beziehungsweise, wie kann ich mein Spiel und dessen Community unterstützen? Niemand kann erwarten, dass seine Ideen gleich für die offiziellen Printprodukte aufgegriffen werden. Dafür muss man sich erst einmal einen guten Ruf in langer Arbeit aufbauen. Bloggen, Fanprodukte schreiben, an Wettbewerben teilnehmen (und irgendwann auch mal ganz gut dabei abschneiden). (Nicht, dass ich da Belege liefern könnte.) So kann man sich bei den Verlagen ins Gespräch bringen. Gerade die Teilnahme an Aktionen wie dem Karneval der RSP-Blogs oder eben Wettbewerben finde ich wichtig. Denn hier kann man sehen, wie man mit Themen umgeht, die nicht unbedingt eigene Ideen sind – wie gut man mit Vorgaben klarkommt. Aber das war ja genau nicht die Intention des Ulisses-Forenposters. Daher will ich weiter übers Schreiben schreiben.

 

Das Schreiben erfolgt heuer hauptsächlich nebenberuflich. Die Zeit hat das Ganze in einem Artikel zur Erstausgabe einiger neuer „Männermagazine“ gut auf den Punkt gebracht. Eine feministische Autorin stellt zum Release von Gala Men folgende große Sinnfrage:

Wie halte ich den kreativen Job, der mir Spaß macht, in der Balance mit dem anderen, der meine Miete zahlt?

Was mache ich aber, wenn ich wirklich mit Schreiben meinen Lebensunterhalt verdienen will? Damit schlage ich den Bogen zurück zum Titel. Auch wenn es sich bei meinem Geschreibsel komisch anhört: Ich mache das in der Tat hauptberuflich. Wie genau, das will ich hier gar nicht groß ausbreiten. Ich möchte lieber über den Weg dorthin schreiben. Und der war… gewunden.
Neulich war ich bei einer Lesung von M. Heitz zugegen. Der mit „Die Zwerge“, „Die Rache der Zwerge“, „Die Zwerge – Jetzt erst recht!“ und „Spiel mir das Lied vom Zwerg“. (Wobei, letzteres war, glaube ich, von Onkel Hotte. Naja.) Jedenfalls war sein Rat an angehende Autoren: „Lernt was ordentliches!“ Sein eigener Brotberuf früher war übrigens Journalist, als gelernter Germanist. Das ist ein nicht gerade seltener Hintergrund unter Journalisten. Als ich damals in den Journalismus reingeschnuppert habe (was dann nicht geklappt hat), gab mir der Ansprechpartner vom Journalistenverband folgenden Tipp: „Lern was ordentliches!“ Zum einen scheint es in einer Redaktion einfacher zu sein, einem Physiker das Schreiben beizubringen, als einem ausgebildeten Journalisten genug über Physik beizubringen, dass er gut darüber schreiben könnte. So als Beispiel. Zum anderen hat man, wenn man was ordentliches gelernt hat, immer noch die andere Option. Man kann in jenem Job zu arbeiten, wenn es mit dem Journalismus nicht klappen sollte…
Das habe ich auch gemacht: Wie gesagt, der Name dieses Blogs stammt nicht von ungefähr. Jetzt ist dieser Beruf einer, in den man in der Regel hineingeboren wird – indem man auf einem Bauernhof aufwächst. Dort steht man dann in der Regel vor einer Entscheidung:

  • Entweder, man ist so engagiert und talentiert, dass man sich die harte Arbeit und die gesellschaftlichen Diskussionen* gibt, und steigt voll in den schönsten Beruf der Welt ein, oder
  • Man lernt was ordentliches (und macht die Ackerknechterei im Nebenerwerb).

Die meisten Autoren dürften also mit anderem Broterwerb ihre Schäfchen ins trocknene bringen. Während ich so darüber nachdenke, kann ich mir eines immer besser vorstellen: Wieso das Führen eines Verlags trotz des hohen Aufwands bei geringen Ertrag sehr befriedigend sein dürfte. Die Arbeit mit kreativen, engagierten Menschen ist einfach toll. Ich wünsche allen Verlagen dabei einen langen Atem. Und um noch einmal die Brücke zu meinem ursprünglich geplanten Beitrag zu schlagen: Crowdfunding dürfte hier bei vielen Projekten eine wirkungsvolle Unterstützung sein.

Bis zum nächsten Mal,

Gruß

A.

 

*: Wenn Ihr tiefer in jene Materie eindringen wollt, dann empfehle ich Euch diesen Artikel eines Schweizer Agrarwissenschaftlers. Etwas wissenschaftlich-trocken erfasst er die Ängste und Sorgen, die zur Diskussion um Landwirtschaft und Ernährung führen.

 

 

 

Advertisements