Ich bin ja kein Trekkie, ABER…

von ackerknecht

… ich würde echt gern mal eine Runde Star Trek als Rollenspiel spielen. Nur habe ich noch nie ein Star Trek Rollenspiel in der Hand gehabt. Da ich aber eh nicht mehr als einen abendfüllenden One-Shot machen würde, reicht mir dafür ein kleines Universalsystem, von denen ich einige hier rumliegen habe. Und weil gerade Karneval ist, befasse ich mich mit künstlichen Lebewesen als Star-Trek-RPG-Spielerfiguren, und wie ihre Künstlichkeit in diesen Minimalsystemen reflektiert wird.

Ich baue mir drei der bekanntesten künstlichen Lebensformen in Star Trek als Spielercharaktere: Data, den Doktor aus Voyager und Seven of Nine. Dabei fange ich beim minimalsten Minimalsystem an und arbeite mich zum „komplexesten“ hoch. Den Anfang macht…

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Laser & Gefühle ist ein eine Seite umfassendes Weltraumoper-RPG, das deutliche Anspielungen auf Star Trek (oder eher Galaxy Quest) macht. Ich habe es bereits einmal wohlwollend rezensiert. (Oder sowas in der Art…) Der Charakter Data sähe wohl so aus:

  • Stil: Android
  • Rolle: Wissenschaftler (Oder Pilot? Oder Forscher?)
  • LASER/GEFÜHLE-Wert: 5
  • Standard-Ausrüstung nach Regelwerk: Uniform, Phaser, Kommunikator/Trikorder

Die Schwierigkeit bei den typischen Sternenflottenoffizieren ist, dass sie quasi alle möglichen Rollen auf einmal verkörpern: Pilot, Forscher, Space Marine, … Der einzige Wert in Laser & Gefühle ist bei Data leicht gewählt: Ein Wert von 5 bedeutet, dass der Charakter sehr kompetent im Bereich rationales, kühles Denken ist („LASER“), dafür aber wenig Aktien im emotionalen Bereich hat („GEFÜHLE“). Der Doc aus Voyager läge wohl bei 3-4. Der Stil „Android“ ist ein Vorschlag aus dem Regelwerk, die Konsequenzen daraus werden nicht weiter beschrieben – aber jeder, der schon einmal eine halbe Folge Next Generation gesehen hat, weiß, wie sich Data spielen lassen sollte.

Risus ist regeltechnisch doppelt so umfangreich wie Laser & Gefühle: Hier muss man die Rückseite des A4-Blattes zusätzlich bedrucken. Zentraler Mechanismus sind die „Klischees“ eines Charakters. Bei der Generierung darf man 10 Punkte auf eine beliebige Anzahl von Klischees verteilen, die Fähigkeiten und Rolle der Figur wiedergeben. Der Doktor aus Voyager sähe so aus:

  •  Medizinisches Notfallhologramm (4)
  • Spion (3)
  • Opernsänger (3)
  • Startausrüstung oder „Tools of the Trade“: Medizinischer Trikorder und mobiler Holoemitter

Das erste Klischee ist das „Primärklischee“ des Charakters, die Wahl war hier einfach. Für die sekundären Klischees habe ich zwei Aspekte aus der Serie genommen, die immer wieder aufgetaucht sind, Undercover-Missionen und Gesang. Dabei habe ich mit Absicht ein Klischee gewählt, das rundum nützlich ist, und eines, das in bizarren Ausnahmefällen auf bizarre Art nützlich werden könnte. Die Startausrüstung eines Charakters umfasst die Dinge, die er braucht, um seine Klischees zu erfüllen. Bei einem DSA-Krieger wären es Kettenhemd und Langschwert, beim Doktor der Holoemitter und ein Trikorder.

Regeln zu künstlichen Lebewesen gibt es so nicht. Es ist einfach Bestandteil des Klischees des guten Doktors. Es liegt an Spielern und Spielleiter, die Effekte eines EMP-Disruptor-Schusses passend handzuwedeln.

Lite ist ein Spiel des Ein-Mann-Verlages JCGames. Es ist ein erzählerisches RPG mit vielen Möglichkeiten für die Spieler, auch außerhalb ihrer Figuren auf die Welt Einfluss zu nehmen („Player Empowerment“ im Stil von FATE). Bezüglich der Generierung ist Liter quasi eine Fortentwicklung von Risus. Statt der frei wählbaren Klischees gibt es vier Profile, die die klassischen Fertigkeiten abbilden (Kampf, Soziales, Wissen, …). Diese vier Profile hängen vom gewählten Setting ab. Beim Setting „Space Opera“ heißen die Profile Händler,  Söldner, Pilot und Tech. Diese Auswahl zeigt, dass die Lite-Weltraumoper stark von Star Wars inspiriert ist. Wenn man die Profile Händler und Söldner durch Diplomat und Sicherheit ersetzt, dann fühlt es sich nach Star Trek an. Auf die vier Profile werden 12 Punkte verteilt, dabei gilt ein Minimum von 1 und kein Profil darf mehr als 2 Punkte kleiner sein als das Nächsthöhere. Seven of Nine sähe dann so aus:

  • Diplomat 1
  • Sicherheit 4
  • Pilot 2
  • Tech 5
  • (Besondere) Startausrüstung: Regenerative Nanosonden (Zähigkeit +2)

Oh, wie einfach wäre Seven als Risus-Charakter: Borgdrohne (4), Eiskalte Sexbombe (4), Verlorene Tochter (2). Bei Lite haben wir gute Kampffähigkeiten und noch bessere Wissensfertigkeiten, minimale Sozialfähigkeiten, und grundlegende Pilotenkenntnisse sollten auch vorhanden sein. Da man bei Lite noch ein besonderes Ausrüstungstück wählen darf, werte ich die Borg-Nanosonden als verbesserte Panzerung. Die Künstlichkeit der Charakterfigur muss auch in diesem Rollenspiel handgewedelt werden.

Bonustrack! Nachdem die vorgestellten System künstliche Lebensformen als Charaktere regeltechnisch nicht weiter vertiefen, will ich noch auf zwei Spiele hinweisen, die das tun: Zum einen ist da das Endzeitspiel Gammaslayers, bei dem die „Nanos“ als Volk eine ganze Reihe Besonderheiten haben. Sie sind zum Beispiel immun gegen Telepathie, dafür aber anfällig gegen EMP-Waffen. Auch reagieren sie anders als organische Charaktere auf Strahlung und die allgegenwärtigen Umweltgifte: Während Wesen aus Fleisch und Blut degenerieren und mutieren, zersetzen die „Noxe“ bei den „Nanos“ Programmierung und Technik.

Das andere Beispiel ist das Cyberpunk-Spiel [digital_shades], bei dem der „Androidenkörper“ ein Cyber-Upgrade mit regeltechnischen Besonderheiten ist. Diese Besonderheiten sind detailliert beschrieben – für ein Regelwerk, das auf eine beidseitig bedruckte A3-Seite passt.

Soweit mein Beitrag,

Bis zum nächsten Mal alles Gute

A.

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