Epoch Fail: Die Shadowrun-Ernährung

von ackerknecht

Für diesen leicht verspäteten Karnevalsbeitrag habe ich mir ein Thema ausgesucht, dass etwas mehr RL-Bezug hat als ich eigentlich für diesen Blog geplant hatte. Ich habe den Spitznamen Ackerknecht nicht umsonst gewählt…

Shadowrun hat als Nah-Zukunft-RPG das Problem, öfter von der Realität überholt zu werden. Mir persönlich fällt es immer wieder schwer zu akzeptieren, dass das Jahr 2011 seit vier Jahren in der Vergangenheit liegt. Das ist aber unbestreitbar der Fall, komischerweise. Mittlerweile (so empfinde ich das Geschichtskapitel in SR5) nehmen die Autoren dies mit Humor und einer Portion Selbstironie zur Kenntnis. Es konnte aber auch keiner ahnen, dass die Magie an jenem Heiligabend nicht zurück in die Welt kommt.

Diese Lockerheit war so in den 90ern noch nicht da. Ganz früher gab es da einige komische RetCons. Ich meine mich zu erinnern, dass die Eurokriege in SR1 noch zwischen EG und UdSSR ausgetragen wurden, während in SR2 EU und russische Föderation miteinander kämpften. Als dann festgestellt wurde, dass viele Technologien des Jahres 2007 denen des erfundenen 2050 deutlich überlegen sind, wurde ja die Matrix (im Metaplot begründet) auf WLAN umgestellt. Andere Sachen, mit denen ich 1990 so nicht gerechnet hatte, treten dafür tatsächlich in ähnlicher Form ein. So drehen die Gaskonzerne ja in der Tat den gesamten Westen der USA „einmal auf links“, um die letzten Gasreserven zu „fracken“. Diese Entwicklung führte in der SR-Welt dann ja zu den Indianerrevolten…

Ich möchte mir heute ein kleines Detail des Shadowrun-Settings vornehmen, das sich zumindest im Moment in eine andere als die ausgedachte Richtung entwickelt: Die Ernährung.

 

Ich nominiere als „Epic Fail“: Den Soyburger.

 

In den 2050ern des Shadowrun-Universums (und später) ist „echtes“ Essen, und besonders „echtes“ Fleisch, eine Delikatesse. Nur die Besserverdiener können sich den Luxus eines richtigen Steaks leisten. Die breite Masse der Unterprivilegierten muss sich mit Ersatz-Frikadellen aus Soja-Eiweiß zufrieden geben.

Viele Berufskollegen und ich stehen gerade relativ planlos der genau umgekehrten Entwicklung gegenüber: Fleisch hat immer mehr den Ruf, das Nahrungsmittel der ungebildeten Geringverdiener zu sein, während der Verzicht darauf ein Zeichen von Wohlstand ist. Dazu gehört auch der Konsum von Soja- bzw. Tofu-basiertem Fleischersatz. Sehr schön auf den Punkt gebracht hat es Chef eines größeren Wurstherstellers, der seine neue, vegetarische Produktlinie mit folgenden Worten einführte: „Die Wurst ist die Zigarette der Zukunft.“

 

Ich bin ein großer Tofu-Fan. In Würfel geschnitten, über Nacht in Soja-Soße eingelegt, dann mit Bambus- und Soja-Sprossen angebraten und mit Mie-Nudeln serviert: Super Sache. Wenn mir  jemand erzählt, er wäre jetzt Vegetarier, dann ist das auch eine super Sache. Wenn derjenige dann aber ergänzt, er müsse dank vegetarischer Leberwurst und veganem Cordon-Bleu auf nichts verzichten, dann kratze ich mich nur am Kopf. Veganes Cordon-Bleu: Ein Schweineschnitzel, gefüllt mit Schinken & Käse? Ohne tierische Inhaltsstoffe? Okay…

Bis jetzt ist Tofu-basierter Fleischersatz, zumindest bei uns, eher ein Luxusprodukt für eine sich „bewusst ernährende“ Käuferschicht. Aber die Shadowrun-Welt wird ja von weltverändernden Katastrophen geprägt, die Nahrungs- und Futtermittel immens verknappen. Von daher verbleibe ich mit gespannt wartenden Grüßen…

 

A.

 

 

P.S.: Ich würde trotzdem gern mal einen extra fettigen The Beast Deluxe (mit 2 Soyburger-Pattys, Schmelzkäseersatz, Spiegeleiersatz und drei Streifen Baconersatz) von McHugh’s ausprobieren…

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