(Verfrühter) Schwanengesang: Der Aventurische Bote

von ackerknecht

Mittlerweile ist es schon ein alter Hut: Der Aventurische Bote wird grundsätzlich neugestaltet. Der farbige Mantel fällt weg, es gibt eine reine InGame-Gazette. Diese ist neuerdings kostenlos, Abonnementen erhalten zusätzlich „Heldenwerk“-Abenteuer. Nandurion hat neulich die letzte „alte“ Ausgabe disputiert, bevor die erste „neue“ kommt will ich auch noch meinen Senf aufs virtuelle Papier bringen.

Ich beziehe mich auf Nandurion, weil ich mich in vielen Äußerungen der Einhörner wiederfinde. Der InGame-Teil des Boten war für mich nicht das wichtigste am Boten. Die Weiterführung von Szenarien und Spielhilfen als Mini-PDFs finde ich gut, auch wenn ich wahrscheinlich nie eins kaufen werde. Das wichtigste ist: Mir wird der bunte Strauß an DSA alle zwei Monate im Briefkasten fehlen. Ein Aspekt des aventurischen Bouquets, der mir sogar ganz besonders fehlen wird, wurde aber bisher nicht erwähnt: Die Um- und Nabelschau.

Denn ein paar (un-)regelmäßig wiederkehrende Themen werden ganz bestimmt nicht als Mini-PDFs fortgesetzt werden. Dazu gehören einerseits die Vorstellung interessanter Internetprojekte, andererseits die „Redax-Nabelschau“ in Form von Interviews und anderer Berichterstattungen.

Es ist schon schade, dass die erstgenannten Internetprojekte wegfallen. Ich habe mir Leuenklinge immer noch nicht angeschaut – das ist mir dann doch zu trashig. Aber ohne den Botenartikel wäre ich wohl nie auf Nandurion aufmerksam geworden. Nandurion war der Anstoß, mich doch noch einmal mit DSA und Rollenspielen allgemein im Internet auseinanderzusetzen, nach mehreren katastrophalen Erfahrungen in verschiedenen Foren. (Ja, ich bin so anachronistisch, dass ich eine gedruckte Zeitung brauche, um interessante Internetseiten zu finden…)

Interviews waren nicht unbedingt der Quotenbringer des Boten, aber die kann man auch gut als Blogeinträge bringen. Die Nabelschau hingegen hatte wohl noch weniger Fans, was ich durchaus nachvollziehen kann. Aber ich fand Artikel zum Briefspiel und DSA-LARPs immer recht erhellend – manch eine In-Game-Meldung ergab einfach mehr Sinn, wenn man wusste, wo sie herkam. Daher habe ich es der Redaktion auch nicht übel genommen, wenn sie ihr Redax-LARP („Weißensteiner Kongress“ oder so) in epischer Breite ausgerollt haben. Ich habe nicht einmal übelgenommen, dass sie die Celtic-Mittelalter-Folk-Band, die da mal aufgetreten ist, auf den Neungehörnten komm raus nach Albernia portieren mussten. Schlimmer als das Abenteuer, bei dem die Helden als Roadcrew von Saltatio Mortis durch die Schwarzen Lande gereist sind, war das auch nicht.*

Überhaupt LARP: Auch, wenn es sich in meinen Kommentaren in den nandurianischen Disputen anders anhörte, war ich ein Freund der Idee einer Aventurien-LARP-Serie. Das Konzept der Serie im Boten war in der ersten Folge recht vielversprechend. Es ist aber bei schon bei Dorothea Bergermann und ganz besonders bei Mhaire Stritter daran gescheitert, dass die Interviewpartnerinnen einfach zu interessant waren. Man hätte über beide Frauen so viel interessanteres schreiben können, aber der Bote hat leider an seinem starren Interviewleitfaden festgehalten. Schade.

Wie dem auch sei, ich werde „Das Magazin zum Schwarzen Auge“ vermissen. Was ich vom neuen Boten halten soll weiß ich noch nicht so recht. Als ich Boten und Brief erhalten habe, hatte ich die Rage-Abo-Kündigung schon fertig. Ich werde aber die erste Ausgabe des neuen Boten noch abwarten. Wenn das „Heldenwerk“ wirklich so wird, wie die von Arkanil vorgeschlagenen 10DS-Abenteuer, wären sie genau das, was ich brauche: Gut an einem Abend zu spielende One-Shots mit wenig Vorbereitungsaufwand. Die darin verwendeten DSA5-Regeln sind mir herzlich egal, da ich eh nicht so regelfest bin und mir die Abenteuer zurechtkonvertiere, wie ich sie brauche (zurzeit in Richtung Dungeon Slayers). Andererseits habe ich genug spielbares Material rumliegen, so dass ich kein Abenteuer-Abo mit angeflanschter A2-InGame-Zeitung benötige.

Ich warte es also gelassen ab. Damit geht mein quartalsweise wiederkehrender Schreibrausch auch langsam dem Ende zu, bis zum nächsten Mal verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

A.

*Nicht falsch verstehen: Stadt der 1000 Augen ist ein sehr gutes Abenteuer. Ich bin nur immer wieder irritiert, dass die Beschreibung, was Saltatio Mortis für geile Hunde sind, so viel Raum einnimmt. Da hätte man sparen können, um den Einstieg etwas logischer zu gestalten als „Der Herzogserbe kann nicht nach seinem Vater sehen, er muss Brins Sarg bewachen. Weil die Helden aber gerade da sind und halbwegs vertrauenswürdig und heldenhaft wirken, schickt man eben sie. KGIA-Mann Drego von Angenbruch, der genau niemandem traut, findet den Plan auch voll knorke und schmeißt nochmal 50 Dukaten in die Reisekasse.“ Und wenn man die Band schon so geil findet, hätte man wenigstens einen einzigen Satz in Richtung „Ach übrigens, Saltatio Mortis sind eine echte irdische Mittelalterband, googelt das mal“ in den Anhang aufnehmen können.

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