RPGaDAY2015, Tage 21 bis 31

von ackerknecht

Und hier sind die Tage 21 bis 31! Und ich habe mich sogar wieder daran erinnert, dass man in Blogeinträgen auch Links setzen kann!

21) Favourite RPG Setting

Auf alle Fälle Fantasy, und da auch am liebsten EDO-Fantasy (Elven, Dwarf, Orc). Nicht nur aus Gründen der Sozialisation bin ich ein großer Fan von Aventurien, obwohl ich es eigentlich etwas magischer mag. Myranor/Tharun ist mir aber schon ein wenig zu viel – von daher hat Lorakis echt gute Chancen, mein neues Lieblingssetting zu werden. Caera ist als quasi „weiße Aventurien-Leinwand“ auch interessant. Und wenn ich einmal ganz nostalgisch bin, könnte ich mal auch mal wieder einen Trip in die Super-Low-Fantasy-Ecke nach Hârn vorstellen.

22) Perfect gaming environment

Vor einiger Zeit hätte ich hier noch mit der immersionsfördenden Berghütte im dänischen Funkloch geantwortet. Da ich aber im Moment einen Wesensmorph weg vom „Erzählspieler“ hin zum „Bier&Brezel-Gamer“ erfahre, ist die Antwort: Die Mittelalterkneipe an einem ruhigen Freitagabend. Wenn mir jemand in regelmäßigen Abständen frisches Bier und Snacks hinstellt, bin ich auch bereit, nicht übermäßig laute Saltatio/Santiago-Berieselung hinzunehmen. Man muss nur aufpassen, dass die Dungeonkarte nicht mit Dunkelbier durchweicht, und dass keine Würfel unter den Tisch rollen – denn die wären dann für immer verloren (daher auch der Würfelturm). Außerdem habe ich dann noch zwei Tage Zeit, um mich zu erholen (Ja, ich bin so alt, dass ich nach einer durchzockten Nacht zwei Tage zur Regeneration brauche…)

Für eine Runde in normaler häuslicher Umgebung gilt: Lieber Ess- als Couchtisch und lieber dimmbare Lampen als Kerzen.

23) Perfect game for you

Perfected!

Im Ernst: Ich habe über diese Frage länger nachgedacht, und letztlich läuft es auf folgendes raus: Alles, was ich an Regeln brauche, ist ein Mechanismus, um Meinungsverschiedenheiten am Spieltisch auszuwürfeln. Alles andere, z. B. die Werte, die dahinter stehen, wedele ich meistens mit der Hand.

Allerdings neige ich selber außerhalb des Spieltisches zum Theorisieren, dafür braucht man ein irgendwie geartetes Wertesystem. Und das Spiel so ganz „nackt“ ist nicht jedermanns Sache. Ehrlich gesagt würde ich mich dabei auch eher unwohl fühlen,  auch und besonders als Spielleiter – die Spieler begeben sich immer ein Stück weit in die Hand der SL, und dieses „Stück“ ist mit Perfected ein ganzes Stück „weiter“ als gewohnt.

Dann mache ich doch lieber weiter Werbung für schlanke Universalsysteme wie Dungeon Slayers.

Grundsätzlich brauche ich aber für ein „perfektes“ System deutsche Regeln und deutsches Material. Ich habe keine Lust, im Kopf ständig hin- und her zu übersetzen, und immersionsförderlich sind englische Regeln leider auch nicht.

24) Favourite House Rule

Die folgende Regel ist vielleicht nicht mein Favorit. Ich habe sie mir vor ein paar Tagen ausgedacht und werde sie demnächst mal in einem Cthuhlu-One-Shot nach Risus-Regeln erproben. Die Risus Regeln der aktuellen Version 2.01D werden wie folgt erweitert:

  • Jeder Charakter hat zusätzlich zu den vom Spieler gewählten Klischees zwei weitere Klischees: „Geistige Stabilität“ und „Mythoswissen“.
  • Die „Geistige Stabilität“ hat einen Startwert von (4). Wenn ein Charakter in seiner Wahrnehmung der Realität erschüttert wird, kann die Spielleiterin eine Probe auf „Geistige Stabilität“ verlangen. Bei einem Scheitern sinkt die „Geistige Stabilität“ um einen Punkt. Ein Verlust von „Geistiger Stabilität“ wird in der Regel von einer psychotischen Episode begleitet. Sinkt die „Geistige Stabilität“ auf (0) ist ein Charakter untherapierbar wahnsinnig  geworden.
  • Das „Mythoswissen“ hat einen Startwert von (0). Wenn ein Charakter etwas essentielles über den Mythos lernt, kann ihm die Spielleitung einen Punkt „Mythoswissen“ geben. „Geistige Stabilität“ und „Mythoswissen“ dürfen addiert nicht mehr als (5) betragen. Wenn ein Charakter einen Punkt „Mythoswissen“ erhält, kann der Spieler dies mit einer Probe auf „Geistige Stabilität“ abwehren. Ein Beispiel: Ein Charakter mit „Geistiger Sabilität (4)“ und „Mythoswissen (1)“ soll einen weiteren Punkt „Mythoswissen“ erhalten. Der Spieler kann jetzt versuchen, dies mit einer Probe auf „Geistige Stabilität“ abzuwehren. Wenn er dabei scheitert, hat er von jetzt an „Geistige Stabilität (3)“ und „Mythoswissen (2)“.
  • Wenn ein Charakter sich in Therapie begibt, kann ihm die Spielleiterin nach einer angemessenen Zeit eine Probe auf „Geistige Stabilität“ zugestehen. Bei Gelingen dieser schafft es der Spieler, einen Punkt in diesem Klischee wieder herzustellen (und ggf. einen Punkt „Mythoswissen“ zu verdrängen).

25) Favourite Revolutionary Game Mechanic

Sea Dracula!

OK, etwas weniger prätentiös: Der Splitterpunkte/Schwächen-Mechanismus von Splittermond ist nicht unbedingt revolutionär. Aber ich mag diese Kombination sehr gern:

  • Spielercharaktere haben ein „Edge“-Attribut, um entscheidende Würfe zu verbessern;
  • Verbrauchte Punkte dieser „Edge“ können durch das Ausspielen von Nachteilen regeneriert werden.

Ich baue diesen Mechanismus mittlerweile in Systeme ein, mit denen ich rumdaddel und die weder über ein Schicksalspunkte-System noch über Nachteile für Spielerfiguren verfügen. Die Liste ist mit Dungeon Slayers und World of Dungeons allerdings relativ kurz. Sogar Risus hat Regeln für beide Aspekte.

26) Favourite inspiration for your game

Unter anderem möchte ich hier das Lebenswerk von William Gibson hervorheben, der neben Cyberpunk auch großartige Gegenwarts-Romane hervorgebracht hat. Mein Favorit (und der Grund, warum ich mit RPGs überhaupt angefangen habe), ist aber ein goldenes NES-Modul.

27) Favourite idea for merging two games into one

Ich bin mit DSA sozialisiert worden, und hänge an Aventurien, obwohl ich dem Regelwerk immer weniger positives abgewinnen kann. DSA5 ist zwar ein Hoffnungsschimmer. Mein Dank aber gilt Swen Rodermund dafür, dass er einen gut spielbaren Hybriden aus Aventurien und den Dungeon Slayers-Regeln gebaut hat.

28) Favourite game you no longer play

Magic: The Gathering.

Oder Fußball.

29) Favourite RPG website / blog

Schwierig. Es folgen in unsortierter Reihenfolge ein paar Blogs, die ich gern lese:

Der Blog, der mich aber letztlich dazu inspiriert hat, selber mit bloggen anzufangen, ist Arkanil.

30) Favourite RPG playing celebrity

Sorry, das hier ist die Frage, bei der ich passen muss. Ich könnte es mir leicht machen und „Wil Wheaton“ schreiben, aber der ist ja ein Prominenter, gerade weil er Rollenspiele spielt. Ich wünschte, es gäbe irgendeinen Promi, der sein Prominentending macht, und zufällig nebenher Rollenspiele spielt. Wie wir halt auch. (Vin Diesel?)

31) Favourite non-RPG thing to come out of RPGing

Ich möchte die #RPGaDAY-Aktion gern mit einem Appell abschließen: Liebe Mitzocker, seid stolzer auf das, was Ihr macht, und geht offensiv und selbstbewusst damit um!

Vor knapp zehn Jahren saß ich mit einem Personalberater in einem Bewerbungstraining zusammen. Ich fragte ihn, ob ich meine Hobbys „Magic: The Gathering“ oder „DSA“ irgendwie nutzbringend in Bewerbungen einbringen kann. Er schüttelte den Kopf und sagte: „Lieber Herr Ackerknecht, ich verstehe Sie gut. Ich war mit meinem Clan deutscher Meister in Quake 4 und Team Fortress. Aber das sind alles Sachen, die Personalchefs eher irritieren und abschrecken.“ Mittlerweile muss ich ganz klar sagen: Die „Soft Skills“, die ich bei meiner Arbeit fast täglich brauche (Besprechungen moderieren und Arbeitsgruppen leiten) habe ich als „Meister des Schwarzen Auges“ erworben. Das Bild zeigt sich immer öfter. Ein Kollege von mir (er ist Abteilungsleiter) sagt, alles, was er über Personalführung wisse, habe er als Raid Leader bei WoW gelernt. Und wir reden hier vom öffentlichen Dienst, nicht irgendwelchen IT-Hipster-StartUps. Also, wenn Ihr mir eines Tages in einem Vorstellungsgespräch gegenüber sitzt, sagt ruhig, dass ihr Pathfinder leitet. Dann weiß ich, dass ihr ein Team häufig individualistischer Experten durch ein komplexes System lotsen könnt.

Bis dahin die besten Grüße

A.

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