Sea Dracula. Eine Rezension. Oder sowas ähnliches.

von ackerknecht

Ich halte das eingeschweißte „Buch“ (kann man das so nennen?) hoch und frage die junge Frau an der Kasse des Fantasy-Geschäfts: „Sorry, aber ist da noch irgendwas drin? Und falls nein, lohnt sich der Witz?“

Die Verkäuferin: „Oh, da kenn ich mich nicht aus. Ich muss mal den Kollegen fragen.“ Kurze Pause. „Ich würde es aber schon wegen des Bildes kaufen.“

Der angesprochene Kollege zuckt mit den Schultern und muss sich dann sehr darauf konzentrieren, Bücher von einem Regal ins andere zu räumen.

Sie: „Tja…“

Ich: „Tja… OK, hier hast Du 10 Euro, ich will’s jetzt wissen.“

Ich reiße die Packung auf und lese Ihr kurz ein paar Sätze vor.

Sie: „Oh Gott, ich muss das jetzt sofort spielen.“

Ich: „Bei Dir oder bei mir?“

Sie: „Lass uns zu Dir gehen!“

OK, die letzten drei Zeilen entsprangen der Fantasie des Autors. Aber grundsätzlich macht Sea Dracula so etwas mit den Leuten! Ehrlich, selbst gesehen!

Für meine erste Rezension habe ich mir also das wohl schwerstmöglich einzuordnende Produkt ausgesucht. Hm. Viele Rezensenten rechnen ja den Seitenpreis aus, um damit in den Bericht einzusteigen (als ob das was über die Qualität aussagen würde, aber gut). Da mir eine gute Einleitung fehlt, ahme ich das mal nach: Der Seitenpreis liegt mit 500 Cent relativ hoch., zugegebenermaßen. Da der Uhrwerkverlag von mir allerdings 0 Cent/Seite für das Splittermond-Regelwerk bekommen hat, sei es ihnen gegönnt.

Das knappe Regelwerk erklärt Hintergrundwelt und Spielmechanik zwar nicht umfassend, aber nachvollziehbar und lebendig. Der Probenmechanismus ist innovativ, intuitiv und fair. Das ist eigentlich alles, was dazu zu sagen ist. Das Buch ist schön gemacht und hochwertig verarbeitet, man kann es sich schön ins Regal stellen. Man kann auch mit einem Gummiband ein anderes A4-Heft in den Einband „einbinden“ und so praktisch aufbewahren. Ideal, um die „Prinzessin Nedime“-Erstausgabe vor der Ehefrau zu verstecken. Das ist eigentlich alles was dazu zu sagen ist. Ich geb‘ Sea Dracula auf ’ner Skala von eins bis fünf eine vier – die fünf hätte es gegeben, wenn das Gummiband schon beigelegen hätte.

TLDR: Sea Dracula ist der Shit, und jeder Rollenspieler, der die 10€ nicht gerade braucht, um Babynahrung oder so zu kaufen, sollte es sich holen. Und wer die 10€ für Babynahrung braucht, der sollte sich noch einmal überlegen, was wirklich wichtig im Leben ist.

Beste Grüße

a.

 

Bonus Track: Hier noch eine Handvoll gute Charakternamen:

  • Disco Fox
  • Dub-Step Dromedar
  • Snoop Dogg
  • Hans Maulwurf
  • The Courthouse Okapi
  • El pollo saltarin
  • Das Pferd auf dem Flur
  • Das Küken aus dem Radio
  • Lambada Languste

 

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