Splittermond, Kopfkratzen und das neue Uhrwerk-Magazin

von ackerknecht

Ich mag Splittermond, und lese eigentlich alles, was dazu an die Öffentlichkeit geht. Genau wie der geschätzte Arkanilium frage auch ich mich aber auch oft, in welche Richtung die Welt Lorakis und das Spiel Splittermond gehen sollen. Im neuen Uhrwerk-Magazin ist unter anderem ein Splittermond-Abenteuer erschienen. Mein Eindruck nach dessen Lektüre: Bitte nicht in diese Richtung! (Die nachfolgende Kurzbesprechung enthält Spoiler. Das ist aber nicht schlimm, glaubt mir.)

Das Kurzabenteuer „Felsentief“ ist ein felsenfest auf seine Schienen montiertes Railroad-Detektiv-Szenario. Ich persönlich fahre eigentlich lieber Eisenbahn, als im Sandkasten zu spielen, aber nicht so…

  1. Die Charaktere eilen einem Zwerg zu Hilfe (oder auch nicht), und werden zum Dank als Ehrengäste zu einer Zwergenolympiade eingeladen.
  2. Dort werden sie (ohne eingreifen zu können) Zeugen eines Attentats auf einen zwergischen Würdenträger und (ohne sich wirklich wehren zu können) als Verdächtige festgenommen.
  3. Danach kommt eine Verhörszene (deren Ausgang feststeht). Ein Hellseher stellt letztlich die Unschuld der SC fest.
  4. Dann folgt eine Ermittlung (die nur zu einem Ergebnis führen kann).
  5. Zum Schluss gibt es einen Endkampf.
  6. Sämtliche NSC wollen erst nichts mit den SC zu tun haben, um dann später nicht mehr verfügbar sein (bis sie zum Schluss die Charaktere reich belohnen).

OK, man sieht schon, handwerklich ist da jetzt nicht sooo viel zu holen. Das stört mich jetzt nicht so sehr – es ist, wenn ich das richtig verstanden habe, Fanware. Da gibt es immer mal Treffer und mal Fehlschläge. Was mich so sehr stört, dass ich darüber blogge, ist die Beschreibung der Spielwelt. Es gibt noch nicht so viel an Infos über Lorakis. Da finde ich es schade, dass gerade im Uhrwerk-Magazin der Weltenbau in diese Richtung läuft…

Zwei Sachen möchte ich rausgreifen:

Zum einen die Zwerge. Das ist der kleinere Kritikpunkt meinerseits. Ich fand es, nach Lektüre des ersten Schnellstarters, super, dass Zwerge hier doch etwas anders als Mainstream aussahen: Auch kämpferisch, auch „stur wie Fels“, aber auf eine tief spirituelle Art und Weise. Die Zwerge in diesem Abenteuer sind keine Furgand, sondern andere, „klassischere“ Zwerge. Trotzdem stört mich das Abballern der gängigen Zwergenklischees Bergbau, Beile und Bierhumpen ungemein.

Zum anderen die Magie. Hier bin ich wirklich stark irritiert. Die SC werden also verhaftet. Egal, was sie sagen, der Wachoffizier glaubt ihnen kein Wort. Dann kommt der Zauberer, liest einmal in den Gedanken, und alles ist klar. Ich dachte, Lorakis ist eine magische Welt, in der Magie zum allgemeinen Leben dazugehört. Ich bin davon ausgegangen, dass der Verhörmagier bei einer durchschnittlichen großen Wache Standard ist. Und dass ein fies planender Bösewicht Hellsicht-Magie oder andere Zauberei auf Seiten der „Guten“ in seinem Plan berücksichtigen würde. Immerhin soll fast jeder Erwachsene in Lorakis ein oder zwei kleine Zaubertricks können…

Dieses Abenteuer hat sich nicht wie das Splittermond, dass Regel- und Weltband angekündigt haben, angefühlt. Es las sich eher wie ein Szenario aus einem von Zwölfjährigen in den 90ern rausgegebenen DSA-Fanzine. Jetzt gibt es schlimmeres als ein fehlgeschlagenes Gratis-Kurzabenteuer. Aber Splittermond hat noch einiges vor sich, wenn es sich als Marke etablieren will. Die Macher sollten sich keine Steine selber in den Weg legen.

 

Gruß

a.

 

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